»Was hast du davon. Mimi ihre Mitgift sind wir los.«

»Der Schüler Lorenzen ist nun gefaßt worden. Diesmal ist es mir gelungen, ihn zu fassen und ihn seinem wohlverdienten Schicksal auszuliefern.«

Sie sah ihn umherstreichen, als sei er verwirrt. Seine Hände zitterten an Gegenständen, die zu berühren er sich nicht bewußt war. Sie äußerte noch mehreres und hörte ihn immer nur bebend hinhauchen:

»Der Schüler Lorenzen liegt zerschmettert am Erdboden.«

Allmählich zog sein Benehmen sie an. Seine viel stärkere Seelenbewegung fuhr über ihre hin und löschte sie aus. Sie verlor ihren Kummer aus dem Sinn, sah ihrem Mann starr nach, undeutlich erschrocken über diese Leidenschaft, als sei sie ein auf Unrats Grunde immer sprungbereiter Wahnsinn; und dabei bezwungen und ihrem alten Unrat mit einem süßen Schaudern fester verbunden grade durch sie, durch diese Leidenschaft, durch diese gewalttätige und gefährliche Sache.

XIV

Sogar einige noch in der Zucht der Schule lebende Schüler mischten sich unter die Unratschen Gäste. Einer von ihnen, ein langer, semmelblonder, verlor auffallende Summen. Ende der Saison, an einem Sonnabend schon im Frühling, sah Unrat auf der Schwelle den Oberlehrer Hübbenett stehn, seinen Feind, der sich über Unrats Sohn gehässig ausgelassen und vor Unrats eigener Klasse von »sittlichem Unrat, vielmehr Kot« gesprochen hatte. Nun stand er da, mannhaft aufgereckt, und Unrat lächelte ihm giftig entgegen. Er hatte den Kollegen erwartet; denn der Schüler Hübbenett spielte viel zu hoch; es mußte in diesem Oberlehrerhause etwas nicht sein wie es sollte.

Hübbenett schritt krebsrot auf seinen Sohn los und forderte den ganz Zusammengesunkenen auf, ihm zu folgen. Er fügte laut und an niemand gerichtet, hinzu, daß er Schritte tun werde zur Beseitigung von Zuständen, wie die hier von gewissenlosen Abenteurern ins Leben gerufenen; Zuständen, die auf die Versuchung und Verführung schwacher junger Menschen berechnet seien; Zuständen, die vermittelst beraubter väterlicher Kassen und durch andere, aus Blut und Kot zusammengeknetete Mittel aufrecht erhalten würden.

Ein Offizier drückte sich eilig hinaus. Ein sehr beunruhigter Festteilnehmer machte sich an den erbitterten Oberlehrer heran und stellte ihm eindringlich vor, wie unklug es sein würde, Lärm zu schlagen. Er halte die Versammlung hier für unlauter? Er solle sich doch erst ihre Zusammensetzung ansehn. Er wisse wohl gar nicht, wer der melierte Herr am Spieltisch gleich beim Fenster sei? Das sei nämlich Konsul Breetpoot. Und wer wende sich dort stirnrunzelnd nach Hübbenett um? Kein anderer als Polizeirat Flad. Ob Hübbenett wirklich gut abzuschneiden hoffe bei einem Ansturm gegen bestehende Dinge, an denen solche Herren interessiert seien.

Hübbenett hoffte es nicht: man sah es ihm an. Er redete zwar noch einiges Catonische, aber mit abschwellender Stimme; und dann trat er den Rückzug an. Es achtete schon niemand mehr auf ihn. Nur Unrat, siegstrahlend, schlich behende hinterher, bot dem Kollegen eine Erfrischung an und rief, als der andere durch einen Ruck mit den Schultern sittlichen Abstand feststellte, ihm herzlich nach, sein Haus bleibe Hübbenett Vater und Sohn stets weit geöffnet.