Bei diesem Wort erschien prompt die rückhaltloseste Verachtung auf dem Gesicht der Künstlerin Fröhlich.

»Wenn Sie mit der man nich selber was zu tun kriegen, Sie kommen mir ganz so vor. Ich bin mit der in Ordnung. Sie tun mir überhaupt leid, Sie!«

Aber anstatt Mitleiden gab sie mit wachsender Deutlichkeit Zorn zu erkennen.

»Sie wollen sich noch aufspielen, in dem Aufzug wo Sie sind? Sie haben sich woll vorhin noch nich lächerlich genug gemacht? Gehn Sie mal hin, auf die Polizei, ja? Sie werden man gleich selber festgehalten. Was der Mensch für Töne am Leib hat. So was kommt einem ganz komisch vor, wo man an den Umgang mit Kavalieren gewöhnt is. Was meinen Sie, wenn ich mal einen von meine bekannten Herrn Offßiere auf Sie loslaß? Sie werden ja einfach verkeilt.«

Hierbei trug sie nun wirklich ein erfreutes Mitleid zur Schau.

Unrat hatte, während sie sprach, anfangs noch zu Worte zu kommen versucht. Allmählich wurden von dem Schwung ihres Willens seine fertigen Gedanken, die schon zwischen den Kiefern hervordrängten, zurückgestoßen bis in seine Tiefe, wo sie ihm selbst verloren gingen. Er erstarrte: – sie war kein entlaufener Schüler, der sich widersetzen wollte und sein Leben lang unter die Fuchtel gehörte; so waren alle in der Stadt, alle Bürger. Nein, sie war etwas Neues. Aus allem, was sie seit dem Zusammentreffen mit ihm gesagt hatte, sammelte sich jetzt nachträglich der Geist und wehte ihn an: ein verwirrender Geist. Sie war eine fremde Macht und augenscheinlich fast gleichberechtigt. Er hätte zum Schluß, wenn sie eine Erwiderung verlangt hätte, keine mehr gewußt. Etwas anderes entstand in ihm: es fühlte sich an wie Achtung.

»Ach was – überhaupt,« sagte sie wegwerfend, brach ab und drehte ihm den Rücken.

Das Klavier war schon wieder in Tätigkeit. Die Tür öffnete sich, ließ die dicke Frau, mit der Unrat einen Zusammenstoß gehabt hatte, samt ihrem Mann ins Zimmer und ging rasch wieder zu. Die Frau setzte, und ihr Abendmantel wogte in zornigen Falten, den Teller auf den Tisch.

»Keine vier Mark,« sagte der Mann. »Schäbige Kanaillen.«

Die Künstlerin Fröhlich versetzte kalt und beißend: