Da waren sie drunten vor einer kleinen Eiche; der frische Wind, den ihr Lauf erregte, brach plötzlich ab. Hinter der Eiche lag über den von letzter Sonne buntem Rasen ein Weg geschlängelt, blaugrün, — und auf einmal verschlang ihn Walddunkel.

„Nur noch dies eine Gehölz, dann können wir das Haus sehen;“ — und zu ihren langsamen Schritten durch die Dämmerung mußte Lola denken: „Eben noch haben wir gelaufen und gelacht. Wie kam das? Wie kommt es, daß er mir seine Geheimnisse sagt, und daß ich sie hinnehme, als müßt’ es sein? Eigentlich haben wir doch nichts miteinander zu tun. Oder wie stehen wir?“

Als das Gehölz zu Ende war, wollte sie etwas sagen, ließ es aber. „Was habe ich denn? Warum nicht gleich den nächsten Spaziergang verabreden? Er ist so zerstreut und hat immer mit sich selbst zu tun. Ein rechter Egoist eigentlich. An die wirklichen Dinge muß ich selbst denken.“ Aber kurz vor der Ankunft hörte sie ihn in Eile und Verwirrung mit der Bitte herauskommen, an deren Gewährung ihr gelegen war, — und sie biß sich auf die Lippen. „Bin ich vorschnell! Ich weiß doch, daß er bloß schüchtern ist!“

Es war nie ganz sicher. Am Abend inmitten aller sah’s aus, als drängte er neben sie: Frau Gugigl und Tini bestätigten es ihr durch Blicke. Dafür zog er sich manche Stunde, die er mit ihr hätte allein sein können, zurück, um zu lesen. Er kam ihr oft genug in den Weg, klopfte jeden Tag mehrmals an ihre Tür. Sie hatte auf dies Klopfen gewartet und war, zeigte sich nun sein Gesicht, beschämt, weil es nicht glücklicher war. Einmal rief sie ihm im Garten nach, und wie er sich umwandte, war kein Zweifel, daß er sich bezwang, um erfreut zu scheinen. Aber als sie ihn einen Nachmittag unbeachtet gelassen hatte, da war er arg verstört, kleinlaut wie ein schlecht behandelter Junge, und kam nicht darüber zur Ruhe, daß sie etwas gegen ihn haben müsse.

Wie sie das alles schon kannte! Wie sie seine Nervosität mitfühlte, die matte Geste zwischen seine zusammengezogenen Brauen und dann, draußen in der Luft, sein allmähliches Durchdringen, bis er frei war und die Oberhand hatte! Voll Staunen bemerkte sie, daß sie ihn sich gar nicht wegdenken könne: auch aus ihrem früheren Leben nicht. Wie ein älterer Bruder war er, den die Schwester schon heulend und geprügelt gesehen hat: und doch bleibt er, mag sie’s kaum wissen, der erste, und seine Liebesgeschichten machen ihr Eifersucht. Lola fragte sich oft: „Hat er wirklich nie etwas gehabt? Alles hat er mir gesagt, nur davon kein Wort.“ Aber sie fand und sagte ihm:

„Ich wüßte eigentlich keine Frau, mit der ich mir Sie denken könnte.“

Er überlegte.

„Und ich keinen Mann für Sie,“ entschied er. Nach einer Weile begann er wieder:

„Was würden Sie denn besonders beanspruchen?“

„Von einem Mann? Zuverlässigkeit.“