„Sei kein Kind, Mai! Die Baronesse Thekla ist vernünftig genug, und sie weiß, daß er der Marie halbnackt Modell steht und mit der kleinen Tini —“
„Halbnackt!“
Mais Aufschrei erbarmte Lola. Sie trocknete ihr die Tränen, herzte und tröstete sie.
„Den Eindruck habe ich zwar doch, daß du, Mai, ihm am meisten gefällst von uns allen. Ihr versteht euch am besten, weißt du.“
„Nicht wahr?“ — und Mai ließ sich zu Bett bringen.
„Möchtest du denn Kontessa Pardi werden, Mai? Die Frau von Cesare Augusto Pardi? Welch stolzer Name!“
„Wer weiß . . . Vielleicht. Aber nur, wenn du es nicht möchtest.“
„Ausgeschlossen, Mai. Ich könnte ihn niemals lieben.“
Warum lieben? Lola überlegte es oft: was gab es Persönliches an Pardi zu lieben? „Mit diesem Typus bin ich doch wohl glücklich fertig. Alle waren so, Da Silva und die früheren. Und da ich jene losgeworden bin und auch Da Silva entbehren kann —.“ In manchen Augenblicken und besonders einmal, als Pardi gelaufen kam: gierig wie ein Tier, ganz auf das Ziel zusammengezogen war er dahergelaufen: da hatte sie geglaubt, Da Silva zu sehen. Sie führte absichtlich dieselben Gespräche mit Pardi wie mit Da Silva, und wußte seine Antworten voraus. Daß er von „Emanzipation“ schon gehört hatte, wunderte sie . . . Nur stand hier der Typus auf der Höhe des Lebens, war gereist und vollendet: aber nicht gesättigt. Immer noch waren seine Äußerungen auf eine Art, die Lola merkwürdig stark zum Kampf reizte, aus Abenteurerhaftem und Philisterei gemischt.
Gleichviel: Lola hätte es nicht rühmlich gefunden, in den sich zu verlieben, dem links und rechts die Frauen zufallen mußten, der über alle die gleiche, beschämend sinnliche Macht erlangte. Sie spürte eifersüchtiges Unbehagen, wenn sie eine der anderen bei Pardi glänzendere Augen und schmachtendes Wesen bekommen sah; — und gleichzeitig schämte sie sich.