Sie sann auch: „Was wäre gestern daraus geworden, wenn nicht der verwundete Bauer dazwischengekommen wäre?“ Aber sie brach ab. „Da er dazwischen kam, mußte es wohl sein und ist es wohl besser.“
Bei Tisch trank Gugigl ihr zu.
„Gelt? Jetzt sind wir wieder unter uns. Diese Welschen sind ganz ein hübscher Menschenschlag, aber trauen derf man keinem, und keine Gemütlichkeit ham’s.“
Selbst der alte Utting gab zu, daß ihm bei Pardi niemals recht warm geworden sei. Alle verstanden sie sich! Ganz aufgeräumt waren sie jetzt! Lola trennte sich in ihrem Sinn von Ihnen mit Heftigkeit, rechnete sich ganz dem Abwesenden zu, verachtete in seinem Namen diese alle. Wie er sich über die täppischen Bewegungen der Männer lustig gemacht haben mußte, er, der ein Fechter war! Und über die Frauen in ihrem selbst erdichteten Plunder! Lola verglich sich angstvoll mit ihnen: ob gar keine Ähnlichkeit da sei. Nein: dies war eine andere Rasse von Frauen, mit schmalen Schultern und breiten Hüften; und damit sie noch breiter würden, trugen sie riesige Gürtel. „Doch! Den schlechten Haaransatz habe ich von ihnen.“ Und sie beugte sich, unter der Scham, über ihren Teller.
„Künstlerisch!“ hörte sie Frau Gugigl sagen; und dann war von dem Kitschgeschmack der Italiener die Rede. Lola fuhr auf. Ihr sei etwas eingefallen; und sie bat Gugigl, ihr ein Fenster der Münchner Frauenkirche genau aufzuzeichnen.
„So aus dem Kopf? Ja, das kann man doch nicht. Wie schauens denn aus, die Fenster?“
Seine Frau dachte nach, die andern dachten nach.
„Das kann überhaupt kein Mensch!“
Lola lächelte und sagte, es sei gut. Das konnte kein Mensch: aber Pardi, — wie einst Arnold den Florentinern vorgeworfen hatte, die Fassade ihres Domes weiche in manchem vom Vorbild des Glockenturmes ab: Pardi hatte in den Sand gezeichnet und gefunden:
„Es ist wahr: die Terrassen auf den Pfeilern des Turmes sind achteckig, und die der Fassade haben nur vier Seiten.“