Ohne auf Lolas Widerspruch zu hören:

„Wir sind viel zu weit mit ihm gegangen; jetzt schießt er, damit er uns allein hat, um uns her die Leute tot. Warum hast du dich ihm auch widersetzt! Bist nicht dageblieben, wegen dieser Fahne, wie er’s wollte! Einem solchen Mann darf man sich nicht widersetzen. Ich habe mehr Erfahrung als du, aber du glaubst mir nicht. Wird er dich heiraten? Welche Ängste! Was soll ich tun?“

„Beruhige dich, Mai, ich werde verhindern, daß er ihn tötet!“

„Was soll ich tun! Dein Vater erscheint mir, — aber auch Pardi! Nur durch den finstern Korridor brauche ich zu gehen, und mir ist’s, als hätte ich ihn hinter mir. Ich bin zwischen ihnen beiden, die mich ängstigen! Aber ein Ende muß gemacht werden. Wir entkommen nicht anders: er muß dich heiraten. Dein Vater verzeihe mir, aber ich werde alles tun, damit er dich heiratet: ich werde mich opfern.“

Lola hörte das nur von fern, ohne einzudringen.

„Mai! Mai! Gib doch acht: ich muß verhindern, daß er diesen Menschen tötet. Ich könnte das nicht aushalten: es wäre durch meinen Leichtsinn geschehen. Denn ich habe ihm gesagt, daß ich Nutini liebe. Verstehst du: weil ich kokett und widerspenstig und kleinlich bin und gelogen habe, stirbt ein Mensch. Das ist furchtbar, das ist das äußerste. Davor muß ich mich retten! Zu allem bin ich bereit. Soll ich mich ihm hingeben?“

„Nein! Was denkst du denn!“

Eine Pause. Mai löste sich aus Lolas Armen und nahm sie selbst in die ihren.

„Du bist unpraktisch,“ sagte sie mütterlich; und schmerzlich stolz: „Ich bin viel praktischer.“

„Wie denn, Mai?“