„Nun, Sie sind schlechter Laune. Also kümmere ich mich jetzt um meine Geschäfte. Auf Wiedersehen.“
Als draußen seine Schritte verhallt waren, richtete Lola sich auf, stützte die Hände auf den Sitz und sah mit Ekel an sich hinunter. „Wie der Mensch mich zugerichtet hat! Warum führe ich auch eine Lage herbei, in der ich ihm Widerstand leisten muß. Häßlich war ich dabei. Die Frauen macht echter Widerstand häßlich. Nur der geheuchelte steht ihnen. Und ich kann nicht heucheln. Ist es lästig, ein halber Mann zu sein! Wenn man ihm doch nicht mehr damit imponiert. Ich war in gerade solcher Wut, wie neulich in Viareggio, als er rückwärts aus der Tür ging. Das fällt ihm jetzt nicht mehr ein, denn er hat sich genau überzeugt, daß ich eine gewöhnliche Frau bin, daß alles in Ordnung ist. Wie sagte er? Nicht nötig; ich habe mich überzeugt —. O, sehr gemein; aber wußte ich’s nicht? Den eifersüchtig machen zu wollen mit Gefühlen, aus denen nichts geworden ist! Schläft er denn mit meiner Seele?“
Lässig stand sie auf, strich an ihrem Rock hinunter, ordnete das Haar.
„Er ist stark: er braucht mich gar nicht. Ein anderer wäre mein Freund gewesen. Aber —“ und sie spähte in sich hinein, nach dem verschwimmenden Bilde eines Gesichtes, „hätte ich ihn dafür nicht verachtet? . . . O, wir sind erbärmlich, wir Weiber; wir kennen nur Verachten oder Verachtetwerden. Dies hab’ ich nun. Für’s erste hänge ich an ihm. Ist das erst vorüber, bleibt nur noch der Haß; und dann werd’ ich ihn wohl betrügen? So sind wir Weiber doch?“
Sie verließ die Galerie, schlenderte, die Röcke mit beiden Händen aufgerafft, durch mehrere Säle. Am Ende des letzten sah sie in einen Arkadenhof. In einer sonnigen Ecke, an die zierliche Doppelsäule gelehnt und mit hängenden Rosen auf ihrer Nachtjacke, saß eine Alte und spann.
„Guten Tag, wie geht es?“ sagte Lola und blieb müßig stehen.
„Ihr seid hübsch, unser Herr hat recht gehabt,“ sagte die Alte und fuhr mit ihren wilden schwarzen Augen um Lolas Formen. Lola errötete. Sie bemerkte, daß das trockene weiße Gezottel der Alten so aussah, als hätte sie’s gesponnen.
„Das ist eine Handspindel? Wie macht man’s?“
„Laßt doch! Ihr seid ungeschickt. Zu anderem werdet Ihr geschickter sein: unser Herr wird schon wissen, wozu.“
Die Alte begann mit tiefer Stimme zu summen, wiegte sich und bewegte spinnend, wie im Reigen, die Arme. Ein wenig ängstlich, als müßte sie nun gleich den Zauber der Hexe wirken fühlen, sah Lola ihr zu. Die Alte brach ab; plötzlich sog sie ihre beiden Lippen ganz ins Innere des zahnlosen Mundes. Dann: