Er verlangte, daß sie zur Promenade führen. In den Cascine stellte er sie vor. Die Bernabei winkte aus ihrem Wagen; sie mußten den Abend bei ihr verbringen. Als Pardi ihr zu Hause den Pelz abnahm, hatte Lola noch seine Lippen auf der Schulter gespürt; und wie sie sich umwandte, war er fort. Seine Rückkehr weckte sie. Er kam mit zusammengebissenen Zähnen auf sie zu; das Düstere, Gewalttätige seiner Begierde machte ihr solche Furcht, daß sie über den Bettrand zurückwich und er sie auffangen mußte. Die folgenden Tage ging er über ihre Zärtlichkeiten leicht hin. Er schien den Kopf bei anderem zu haben, sie fragte nicht wo. Sie hatte beschlossen, das Haus so wohnlich zu machen, daß es ihn keinen Abend mehr fortverlangte. Bei ihrem Einzuge hatte sie es nicht angesehen, es war nur für die Zuflucht und den Verschluß ihrer Liebe bestimmt. Jetzt ließ sie es säubern, ordnete eigenhändig die Sitze an, die alle, wie in Schlössern oder Wartezimmern, die Wände entlang prangten, entfernte den Überfluß an schlechten Bildern, verstaubten Festons und Teppichen, samt den großen venetianischen Mohren aus bemaltem Blech und den Pfauenfedern hinter den Spiegeln. Diese plunderhafte Pracht mochte das untere Stockwerk verschönen, das aus der engen Gasse noch weniger Licht und von hinten, wo steil der Garten nach der Hügelstraße anstieg, schon im Oktober keine Sonne mehr traf. Oben sollte es hell und lustig werden. Pardi spottete über das Schlafzimmer, worin kaum mehr anderes als das Bett übrig blieb. Als ob nicht Raum für seine ausgestopften Vögel, seine Säbel und seine Schuhsammlung gewesen wäre! Der Vermehrung der elektrischen Lampen sah er schweigend zu, herrschte die Arbeiter, die die Wände hell bekleideten, unvermittelt an, drehte ihnen aber gleich wieder den Rücken, — und erst als er eines Abends Lola in einem ganz fremden Zimmer fand, brach er los. Sie verschwende seine Einkünfte. Zweitausend Francs diese paar grauen Lackmöbel?
„Damit spiele ich eine Woche!“
Er biß sich auf die Lippen und setzte hinzu:
„Und verdoppele sie, verzehnfache sie!“
„Aber ich hatte kein Boudoir,“ sagte Lola. „Und mein Bruder schickt doch schon wieder zweitausend Francs.“
„Und da habe ich die unbezahlte Rechnung der Bossi.“
„Du willst, daß ich mir immer neue Toiletten anschaffe.“
„Werfe ich’s dir vor? Eine Dame muß angezogen sein: ein Boudoir braucht sie nicht. Das ist für jene Frauen dahinten in Deutschland, in ihren lächerlichen Phantasiegewändern: die können sich auf der Straße nicht sehen lassen.“
„Auch ich verbringe mein Leben nicht auf der Straße.“
„Zu Hause hast du genug in deinem Ankleidezimmer zu tun.“