Seit sie sich nicht mehr blicken ließ, suchten täglich Freundinnen bei ihr einzudringen. „Sie fürchten mich. Claudia ist die einzige, der an mir liegt. Nur sie will ich sehen.“
Claudia kam zögernd herein.
„Hast du etwas gegen mich?“
Und als Lola lächelnd den Kopf schüttelte, schnellte Claudia ihr, aufjubelnd, an die Brust, drängte, rieb und schmiegte sich, ein warmes, liebebedürftiges Tier. Ihr Gesicht hatte vor Traurigkeit in lauter kleinen matten Polstern herabgehangen, und auf einmal war es ganz fest und klar vor Glück.
„Wie schön, daß du mir nicht böse bist! Ich habe dich so lieb!“
„Und ich bin froh, daß ich dich habe, Claudia. Ich fühle mich oft sehr allein und traurig.“
„Und dann liest du und machst dich damit noch trauriger. Man soll nicht lesen: noch dazu dies.“
Mit tiefem Mißtrauen in jedem ihrer Kinderfinger, faßte Claudia das Buch an.
„Das ist deutsch? Du verschließt also deine Tür und liest deutsch. Das heißt, du willst mit uns allen nichts mehr zu tun haben. Du bist mit uns fertig, du findest uns falsch und äußerlich.“
Von unten, schlau und ruhig: