Die Zimmer waren verdunkelt und noch kalt. Lola mußte sich anstrengen, um den Befehl zu geben, man solle die warme Luft hereinlassen. Gern hätte sie die Lider gesenkt vor den Dienern, diesen Zeugen dessen, was sie hier einst gewesen war. Des Kastellans kalte Greisenaugen forschten unerträglich. Und das gelbe, mürbe Fleisch der schwarzen Maria erinnerte sich noch immer, mit melancholischem Stolz und Gleichgültigkeit gegen alles, was kommen mochte, jener Wonnen, die sie mit Lola geteilt hatte; kraft deren sie zu Lolas Vertrauter, fast zu ihrer Schwester geworden war; von denen sie ihr, indes ihre schweren Augen erwachten, mit solchen Worten geflüstert hatte, daß plötzlich der Schauer selbst wieder auflebte.
Mit langsamen Schritten, deren jeder eine Welt von Angst durchmaß, gelangte sie an der Frau vorbei, — hörte sie nicht, sogleich, im Nacken eins jener Worte? — vor die Schwelle des Schlafzimmers und hinüber. Ein kopfloser Griff: die Tür fiel zu. Darangelehnt, die Hände vors Gesicht gedrückt: „Zu viel Demütigung, zu viel!“ Mit geschlossenen Augen fand sie zwischen den Möbeln und am Bett vorbei — „O, ich kenne dies Zimmer, und es kennt mich!“ — und dennoch strauchelte sie, glitt, und meinte, wie ekle Tiere, die Bilder von damals, die sie mit ganzer Seele niederstieß, unter ihren Füßen zu spüren.
Nach allem hatte sie irgendwie den Garten erreicht, ein Versteck und Finsternis. Ermattet und gleichgültig sah sie vor sich hin. Es wetterleuchtete — wie damals. Ins Dunkel, neu gesammelt und mit Beben: „Muß ich mich noch länger quälen? Arnold?“
Jetzt enthielt die dunkle Luft diesen Namen, war erlöst und leichter zu atmen.
„Bist du genug gerächt? Siehst du, ich bin hergekommen, weil ich mich deiner Verachtung ganz ausliefern wollte; weil ich deine Verachtung nötig hatte, wie ein Bad.“
Sie schrak zusammen. „Mein Gott! wenn er käme: wohin mit mir!“
Sie griff sich ans Herz, lauschte — und fühlte das bange Lächeln wieder zergehen. Mit Seufzen:
„Wozu alles? Er hört nicht und hat längst verwunden. Man muß krank sein, um sich aus seiner eigenen Natur eine Marter zu machen. Ich habe nichts getan, was gegen meine Natur wäre.“
„Doch. Ich bin nicht Maria, die breit in ihrem Fleische lebt; der seine Freuden rein sind. Sie gehört nur ihm: die Glückliche . . . Ach nein, ich will nicht lästern, mich nicht selbst verleugnen.“
Sie atmete tief ein; ihr schwindelte; und sie fühlte sich aufgehoben.