Als Lola aufbrach, reichte sie Arnold als letztem die Hand.
„Wie kommt es eigentlich, daß Sie mir, Ihrer ältesten Freundin, noch keinen Besuch gemacht haben? . . . Sie sind erst seit gestern da? Mag sein. Aber ich muß Ihnen doch mein Haus zeigen, mein Mann wird sich freuen. Übrigens — wie viel ist die Uhr? In diesem Augenblick treffen wir ihn. Wenn Sie gleich mitkämen?“
Sie stiegen in den Wagen; ihr klopfte das Herz; die Minute vorher hatte sie nicht gewußt, daß sie so viel wagen werde.
„Was haben Sie seitdem getan?“ fragte sie, kaum daß der Schlag geschlossen war, in Angst vor einem Schweigen. Er sagte mühsam:
„Ich bin gereist . . .“
Und plötzlich begann er zu erzählen, irgend etwas, als schlüge er ein Buch bei einer zufälligen Seite auf.
Sie kamen an.
„Mein Mann nicht zu Hause? Das wundert mich. Eine Stunde vor dem Essen ist er immer in seinem Zimmer zu finden.“
Seit jenem Auftritt aß er nicht mehr zu Hause. Lola war rot von ihrer Lüge. Wie Arnold noch immer in der Haltung eines Fremden durch die Zimmer mitging, empörte sie sich. „Er sollte doch fühlen, daß ich’s hier sehr schwer gehabt habe! Denkt er nicht daran? Wozu ist er gekommen?“ Sie hatte Lust, die Tür zum Schlafzimmer aufzureißen: „Aus dem Fenster dort wäre ich, zwei Nächte sind’s her, fast hinausgesprungen: um deinetwillen!“ Er begann wieder von dem großen Bildwerk, draußen am Hause. Sie mußte ruhig antworten, mußte ihm vom dieser Jungfrau, diesem Engel sprechen, als ob sie ihr nicht furchtbar gewesen wären, als habe sie unter der Botschaft, die jene brachten und empfingen, wie unter einer Drohung und einem Hohn, nicht bitter geweint. Sie fragte schroff:
„Wollen Sie hin, sie aus der Nähe sehen?“