Über der Mauer schwebten Baumkronen: die Kronen seiner Bäume. Das Tor erwartete sie, unverschlossen. Er saß dorthinten, vor der Schwelle seines niedrigen Hauses, die Schläfe in der Hand, zu Boden sinnend. Dies alles gab es nicht nur in ihren Gesichten? Die Sonne schmolz hinter jenen Zypressen, wie in alten, süßen Erinnerungen. In Lolas Kopf klopfte es wirr und heiß. Bemooste Gartengötter streiften sie, den Gang entlang, mit schiefen Blicken „Seht nur zu!“ — und sie schlug den Mantel zurück, als würfe sie alles von sich und böte sich ihm. Der Kies spritzte von ihren gehetzten Füßen. Arnold sah auf, bewegte eine ungläubige Hand und erstarrte. Sie lag vor ihm.
„Es ist aus. Wir sind frei. Ich bin dein. O ja, nimm mich nur in deine Arme, frage mich nur! Du sollst alles wissen, du bist der, den ich habe. Einen Menschen muß man doch haben, einen. Ich war immer allein. Ich weiß noch, wie mein Vater mich in dem fremden Garten zurückließ. Keinen verstand ich. Nie habe ich eine Sprache ganz erlernt. Die Mädchen dort beschimpften mich einst, weil ich nirgends hingehörte. Als ich groß war, hielt man mich für eine Abenteurerin. Und behandelte mich wie eine.
Fremde in allen Ländern, Feinde. Weißt du, daß sie hier mich kaufen wollen, mich zu ihrer Dirne machen wollen? Kein Volk, dem ich zugehöre, keine Sprache, die mich ganz ausdrückt, — und kein Mensch, an dessen Herzen ich daheim bin? Du! O, du!“
„Meine Lola. Meine liebe kleine Lola.“
„Sag mir das! Sag es mir oft. Ich habe es so lange entbehrt. Ich bin schlimm daran. Du weißt nicht: hier ist’s so still, aber draußen geht alles drunter und drüber. Du mußt mich retten.“
„Meine arme Lola, du fieberst.“
„Es ist möglich, ich verliere den Kopf. Aber bedenke, was sie mir getan haben, und daß meine Mutter seine Geliebte war. Ja: seine, meines Mannes. Ist das nicht mehr, als alles was ich zu tragen verpflichtet war. Soll ich so viel Buße zahlen? O! ich ersticke. Es soll endlich aus sein. Hörst du? ich will, daß es aus sei!“
„Gib mir deine Hände, lege den Kopf hierher, an meine Schulter. Halte still, höre zu. Ich habe dich so lieb, daß ich wollte, an deinem Leid stürben wir augenblicklich, alle beide. Wir sind arm, und ich denke schon längst an den Tod mit dir, als an das Beste. Vielleicht, daß wir nachher uns haben würden?“
„Sterben? Ja, mag sein, daß es das war, was ich wollte. Ich wußte nicht . . . Gib vorher deinen Mund!“
. . . da schrak sie aus der Umarmung.