„Wie sie fein und durchblaut sind! Hören Sie’s nicht, als ob sie sängen? . . . Auf der Großen Insel, bei meinen Großeltern waren welche. Es ist mein Lieblingsbaum.“

Guidacci kam heraus. Sie sprachen beide so herzlich zu ihm, daß er sie ganz beglückt ansah.

Es ward heiß. An den Halteplätzen holten Arnold und Guidacci Erfrischungen unter den Zeltdächern der Cafés hervor, aus den schwarzgelben Reihen der Bauern mit kühn zerdrückten Hüten. Die Kutscher burlesker Landwagen spaßten und knallten. Wild schnaubend riß einen die Lokomotive — noch warf ein Mädchen eine Rose nach — aus dem sonnigen kleinen Haufen Leben.

Und man bestaunte in Prato, wie ein Kind, die Kanzel am Dom, mit dem geheimen Wunsch, da hinaufzuklettern, zu spielen. Und man atmete, im Stellwagen, die Luft vom Gebirge, erstieg Hügel, die sich, weinlaubüberzogen, um helle Häuser schmiegten, verlor sich in Laub, Quellenfrische, Duft verjüngter Erde . . . Das letzte Stück Weges ging’s steil. Guidacci lief es, die Soutane gerafft, zu Fuß hinauf. Wie sie oben abstiegen, sprang aus einer Pforte ein gelbes, mageres Männchen in einer Pumphose, fuchtelnd aus seiner zu weiten Jacke. Man bewunderte den Priester; Claudia tat es nicht ohne Bedenken. Er wollte ihnen seinen Garten zeigen; nein, das Haus; nein, vor allem sollten sie seinen Wein kosten: er wußte selbst nicht, was er am wenigsten erwarten konnte. Und er erklärte, daß er in zwei Jahren, vielleicht in einem, sich hierher zurückziehen, seine Rosen pflegen und seinen Wein keltern wolle. Er sagte es stolz, als vermesse er sich einer Heldentat.

„Das Alleinsein fürchte ich nicht,“ — und er tat, mit gespreizten Fingern, einen entschlossenen Streich durch die Luft. „Übrigens habe ich hier meinen alten Lehrer. Sie müssen ihn sehen.“

Er führte sie um das Dorf und durch den verwilderten Pfarrgarten in die Sakristei der Kirche. Ein großer, gebückter Greis empfing sie. Das Chorhemd, das er eben ablegen wollte, ließ er auf die Schultern zurückgleiten, lud mit einer weichen Bewegung die Damen in das altersschwarze Wandgestühl und begann sogleich, als habe er sie erwartet, mit ihrer Unterhaltung.

„Hier vernehmen Sie mehr, als in Guidaccis Hause, vom Geräusch unseres Festes.“

Ein Schuß, der Schrei eines Verkäufers drangen über den stillen Garten her.

„Es ist das jährliche Fest unseres Heiligen. Ich will Ihnen seine Geschichte erzählen.“

Er rief hinaus nach der Magd, die süßen Wein brachte. Guidacci verhieß eifersüchtig, sein eigener Vino Santo, den er ihnen vorsetzen werde, sei besser. O, der Alte höre nicht!