„Muß man sich dir nicht opfern? Muß nicht deine Mutter gut sein?“
„Wie viele Augenblicke mit ihr kehren mir nun wieder, wie viele ihrer Worte! Gestern kamen nur die, in denen sie mich haßte. Heute höre ich sie, wenn ihr Kampf sich zum guten wendete. Ich möchte sie um Verzeihung bitten für meine Kälte! Das Schicksal der anderen kommt mir so oft nicht nahe genug. Ich muß besser werden.“
Arnold wiederholte:
„Wir müssen besser werden.“
Sie hörten die andern zurückkommen und sahen sie nicht: geblendet von der Abendsonne, in die sie so tief ihre Blicke geschickt hatten.
Man ging ins Haus. Das kleine Zimmer, wo sie sich zwischen leeren Mauern an den gedeckten Tisch setzten, schien Lola das gastlichste, das sie je aufgenommen hatte. Claudia, Guidacci, Pierina: Jedem hörte sie mit Entzücken zu. „Im Grunde wußte ich’s immer,“ dachte sie, „daß jeder Mensch sein Interessantes und seine Schönheit hat, und daß ich einmal lernen werde, es zu finden. Jetzt kann ich’s. Alle Menschen würde ich verstehen und lieben.“ Dennoch pries sie sich glücklich, grade mit diesen zu sein. Ihr Wohlwollen strahlte ihr aus aller Augen zurück, ihr Glück machte alle fröhlich. Manchmal, rasch den Kopf gewendet, ein neckendes Wort zu Arnold; — und in jedem Ja und Nein jubelte es und sie fühlte es jubeln:
„Ich bin nicht mehr allein!“ Guidacci hatte neben sie Arnold gesetzt: als er seine Ansichtskarten hervorholte, machte Pierina, daß Arnolds Name zusammenkam mit Lolas; und beim Fortgehen, dem Wagen entgegen, ließ Claudia sie allein.
„Wie ich dich liebe!“ sagte Arnold und stützte sie. „Jetzt im Dunkeln zieht sich der ganze Geist zusammen auf den einen Gedanken. Man weiß erst jetzt; man begreift erst jetzt.“
„Wie ich dich liebe!“ sagte Lola. „Ich denke mich in eine Stunde des Elends und der Einsamkeit zurück und sehe von dort aus uns beide, jetzt im Dunkeln, und staune.“
Am Morgen kam, durch Vermittelung Claudias, ein Brief von ihm.