„Kehren wir um? Schon dämmert es . . . Da ist eine Bank: erzählst du mir etwas? . . . Du quälst dich, glaube ich, recht sehr, um etwas für mich zu finden. Ich höre nicht zu? Ja, diese Unruhe. Ist es die hohe Luft? Dort bei den Obelisken steht es geschrieben, wie hoch wir sind. Denke dir den kleinen Florentiner Tyrannen, der seinen Namen auf die Obelisken gesetzt hat, der in Perrücke und gesticktem Frack hier auf dem wilden grünen Rücken gestanden und ihn eingeweiht hat. Da lies! Die Straße führt in die Lombardei. Es dunkelt, und wir gehen nun in die Lombardei. Wie das klingt! Nach ganz alten, merkwürdigen Gefahren und Abenteuern. Und wir haben kein Geld, kein Dach, sind allein auf der Welt und müssen uns durchbetteln. Möchtest du’s? Sag’! für mich?“
„Alles möchte ich für dich tragen: ohne dich zu besitzen. Ich liebe dich zu sehr, um dich besitzen zu wollen.“
Lola lies seinen Arm los; sie senkte die Stirn. Nach einer Weile:
„. . . Nun ist’s Nacht. Wohin nun mit uns?“
„Lausche, Lola! Lausche auf das Wogen der Schatten im Tal, und auf das leise, mondleise Geläut der Gipfel, die fern daraus aufschweben! Wir hören’s, weil wir uns lieben. Und hebe das Gesicht zum Himmel, zu diesem Becken voll weißen Sternenfeuers, woraus Funken spritzen! Vergehen wir nicht darin, wir, die vom selben Feuer sind? Fühlst du dich nicht aufgelöst? Schwinden dir nicht Sinne und Kraft?“
„Mir ist bange. Wie wird’s sein, wenn wir uns nicht mehr lieben?“
„Kannst du dir’s denken?“
„Dann müssen wir uns doch trennen? Wir wollen aufrichtig sein, hörst du?“
„Lieben wir uns denn nicht? Du weichst zurück? Besinne dich! Lola!“
„Ist das Liebe? Die geschwisterliche Zusammengehörigkeit, die wir fühlen? Warum liebst du mich? Was willst du? . . . Ach nein, ich quäle dich. Komm lieber hier hinab, wo das Wasser rauscht. Da hört man seine Gedanken nicht. Mitten in den Bach: die Steine sind schlüpfrig, wir können stürzen und fortgerissen werden. Sage: würdest du für mich sterben? Ja? Ganz sicher? Ach ja, du würdest dich vielleicht fallen lassen, dich vom Wasser ergreifen lassen. Aber würdest du dich erschießen? Sage auch das! Die Waffen liebst du nicht, wie? . . . Oder würdest du . . .?“