Lola dachte daran, daß einst Claudia sie belehrt hatte, die Konkubine im Hause sei ein Trennungsgrund. Vielleicht war’s der einzige. Er brachte sogar die Dienstboten auf ihre Seite, sie, die Pardis Spione gewesen waren. Sie sagte:

„Laß! Der Herr bleibt der Herr.“

Clotilde behielt den Mund offen.

„Die Frau Gräfin ist eine Heilige,“ schloß sie dann. Lola fuhr auf.

„Daß du das nie wieder sagst! Mir geschieht recht. An dem, was der Herr jetzt tut, bin ich schuld. Sage das den andern: ich will, daß sie es wissen.“

Die Kammerfrau antwortete nicht; rückwärts und ohne ihre starren, ängstlichen Augen von denen der Herrin zu trennen, ging sie durch die Tür. Am Abend, wie sie Lola das Haar löste, hatte sie die Lippen fest aufeinander, eine streng behutsame Miene und die Art, als bediene sie eine Kranke. Im Spiegel warf sie nach Lola manchmal den traurig überlegenen Blick der Wärterin. Lola hielt die Augen gesenkt und zog unter den Kammstrichen des Mädchens den Kopf in die Schultern. Endlich, leise bittend:

„Sprich doch!“

Clotilde zauderte; dann begann sie im Ton eines schonenden Vorwurfs. Der Herr Graf hatte eine seltsame Frau ins Haus gebracht, eine, die seiner augenscheinlich nicht würdig war. Es sollte eine Französin sein, nun ja. Aber Carlotta hatte ihre Kleider gesehen: und wenn sie seidenes Futter hatten, war doch keins heil und keins recht sauber. Und die Wäsche! Es gab Dinge, die man der Frau Gräfin nicht sagen konnte . . . Den Morgen darauf fing Clotilde von selbst an. Inzwischen hatte Leopoldo, der Kutscher, die Frau zu Gesicht bekommen, und alles war erklärt. Sie war eine von jenen, die des Abends auf den Straßen umhergehen. Leopoldo kannte sie; erst vor vierzehn Tagen war er selbst bei ihr gewesen. Cesco, der ihm übelwollte, hatte dies sofort dem Herrn Grafen berichtet, während er ihn rasierte; aber der Herr Graf — es war unbegreiflich — hatte nur gelacht.

„Es ist eine rechte Schande, in ein Haus wie dieses, eine solche Frau einzuquartieren. Wer will ihr das Bett machen? Noch ist es nicht gemacht, und es ist in einem schönen Zustand. Der Herr Graf sollte bedenken, daß auch Dienstboten anständige Leute sind, — wenn er schon nicht an die Frau Gräfin denkt. Wir haben in der Küche beraten, ob wir alle sofort kündigen wollten. Cesco wollte es: aber mehr, weil er den Kutscher haßt. Wir anderen haben ihn beredet, dazubleiben, aus Liebe zur Frau Gräfin.“

„Wer gehen will, soll gehen,“ sagte Lola.