„Ich werde zu Fuß gehen,“ — und das Mädchen verneigte sich scheu.
„Nein!“ sagte Lola. „Fahren Sie mit mir!“
Jene zögerte, senkte die Stirn und gehorchte. Der Kutscher sah sich empört nach ihr um. Lola fiel es ein, daß die beiden sich kannten. Sobald sie das Mädchen neben sich hatte, sagte sie dringend:
„Glauben Sie nicht, ich wolle Sie demütigen! . . .“
Sie fürchtete, zu schluchzen, und schwieg. Leopoldo peitschte aus Zorn; sie jagten über die Brücke. Männer starrten zu ihnen herein; die Dirne sah willenlos hin; und dann zuckte sie zurück und tat, mit geducktem Blick, bei Lola Abbitte. Lola roch das unelegante Parfüm, bemerkte unter dem Spitzensaum einen rauhen Schuh und fühlte sich nüchtern und übel werden. Diese Arme hätte nichts verstanden von allem, was vorging; empfand nichts und wollte nichts. Lola hatte den dürftigen Dingen Geist und Phantasie geliehen, hatte Schicksalsgötter gegen sich am Werk geglaubt. „Das Schwerste ist immer wieder, durch das Unglück nicht hochmütig zu werden. Kein Schicksal, auch meins nicht, darf uns glauben machen, wir seien einzig und erlitten Ungeheures. Sich bücken unters Gewöhnliche!“ Sie grüßte die alte Marchesa Triborghi, und der Gruß blieb unerwidert. „Was tue ich auch? Ich weiß nicht mehr, in welcher Welt ich lebe. Nur mir, scheint es, geschehen solche Vergeßlichkeiten.“ Sie fragte das Mädchen, wo es abzusteigen wünsche. Es hatte, in der Fassungslosigkeit, all sein Italienisch vergessen.
Den selben Abend mußte sie im Palazzo Valdomini sein und Anspielungen hören.
„Sie haben Ihr unteres Stockwerk vermietet, meine Liebe?“
„Es werden Verwandte sein?“
„Denn Sie verbringen dort, scheint es, Ihre Abende. Ich fuhr vorbei; und dort war’s hell; bei Ihnen droben sah man kein Licht.“
„Ach! die Belfatti will Sie mit einer noch unbekannten Cousine im Wagen gesehen haben . . .“