„Würdest du ihn heiraten, Mai?“ fragte Lola, kniete neben ihrer Mutter hin und strich ihr schmeichelnd über Hals und Arm.
„Ich sehe meine Mai schon als Herzogin, in ihrem Schloß in der Sierra; sie geht auf die Jagd nach Wölfen, Adlern und ähnlichen Wappentieren.“
Mai hatte ernsthaft nachgedacht.
„Alles wohl überlegt,“ sagte sie, „hat auch Herr Aguirre seine Vorzüge. Er ist Abgeordneter, sehr einflußreich, und Spanien wird vielleicht Republik werden.“
„Wie weit du denkst, Mai! Aguirre, dies ungesund rosige Baby, denkt nur an das Nächste: er will unser Geld, das Geld, das er uns zutraut. Zu viel Ehre!“
„Du siehst zu trübe, Lola. Und ferner ist er in gesetztem Alter, und ich bin, ach, nicht mehr ganz jung.“
„Im Gegenteil“; dabei herzte Lola ihre Mutter eifriger; „du bist so jung, daß ich mich neben dir meines Alters schäme. Schon als du mich aus der Pension abholtest, war ich, glaub’ ich, weiter im Leben als du. Die zwei Jahre aber, die wir in der Welt umhergereist sind, haben meinem Alter zehn hinzugefügt. Ich fange sogar an, häßlich zu werden.“
„Das ist nicht wahr! Du bist die Frische selbst. Dein Alter bildest du dir ein, weil du zu viel denkst. Das könnte deine Stirn falten: gib acht. Du bist zerstreut bei der Toilette und gerade sie verlangt unsere ganze Geisteskraft. Dann hättest du dir nicht die Stirnhaare abgebrannt und wärest jetzt nicht so schwer zu frisieren.“
Lola griff seufzend nach den krausen Härchen.
„Ich habe schließlich doch meinen Beruf verfehlt. Oft komme ich mir vor wie ein verkleideter Mann.“