Mai stammelte, heftig enttäuscht. Lola, überlegen:

„Das verrät man nicht unter Freunden.“

„Freunde: was ist denn das?“

„Du wirst es sehen. Geh, Mai, zieh dich an! Du wirst es sehen.“

Dann rief sie nochmals:

„Mai! . . Glaubst du wohl, daß ich leidenschaftlich bin?“

„Du? Warum, Kind?“

„Ich meine, weil wir von solchen Dingen sprechen . . . Nein, ich weiß gewiß, ich bin es nicht.“

„Wie sonderbar du bist!“

Lolas bewegte Miene blieb noch auf die Tür gerichtet, die sich geschlossen hatte. Allmählich ward ihr Blick sinnend, und sie setzte sich auf einen Koffer. Mais Mädchen trat ein und holte die Sachen ihrer Herrin. Lolas eigene lagen auf Bett und Stühlen verstreut, mit Büchern und Notenblättern dazwischen. Ein Glas mit Rosen war umgefallen; Lola erhob sich unbewußt und richtete es auf. Dann sah sie sich nach einem freien Sitz um, fand keinen und kehrte auf den Koffer zurück.