„Menschenkenntnis . . . Geistesgegenwart . . . Sinn für das Mögliche und das Wirksame . . . Sehr scharf. Sehr richtig. Wenn nur nicht alles das hoffnungslos zweiten Ranges wäre! Die Einsamkeit, es ist klar, unterrichtet uns nicht über die Welt, lehrt uns nicht, ihr antworten, ihren Spott bestehen . . . Oder doch? Käme uns ein von ihr abgewandtes, ihr nicht mehr untertanes Wissen, wenn wir allein sind: Wissen über sie und uns, in einem? . . Ich weiß nicht, ob Sie, gnädiges Fräulein, das kennen: ein kleines Zimmer, allmählich in allen Winkeln voll von Erschautem und Erlittenem, glücklichen und schlimmen Spielen; nächtliche Gänge, einen Buchenhügel oder Terrassen mit Oliven hinan, wenn in den Laubschleiern ein vom Tal heraufgeschwebter, merkwürdig stiller Glockenschlag zittert: wie hell und gespannt einen das macht! Ganz zusammengezogen auf sich; frei von den weltlichen Hemmungen. Man wird sich selbst zur Leidenschaft; genehmigen Sie ein noch stärkeres Wort: ein Flügelrauschen rührt sich in einem, wie vom eigenen Schicksal . . .“
„Ich glaube Sie zu verstehen . . .“
Lola fühlte, daß er unter einem Druck rede, vielleicht nur aus Unruhe, um nicht zu schweigen; und daß er darauf gefaßt sei, wenn das Dunkel gelüftet werde, ein befremdetes Gesicht vor sich zu haben. Ehrgeizig sagte sie:
„Ich selbst habe einsame Zeiten gehabt.“
Da er die Augenblicke vergehen ließ, sprach auch sie aus Befangenheit weiter.
„Damals haßte ich die Menschen und ersann mir zum Trost eine eigene Welt . . .“
„Ich möchte nicht sagen, daß es Haß ist. Sie abzuschütteln, fern zu halten, ist das Bedürfnis; auch sie zu reinigen und zu übertreiben; und so über sie zu herrschen. Von ihnen stammt nichts als das Alphabet, aus uns aber, als die Verlängerung unserer Schicksalslinie, die prachtvolle Tirade, die bis zu den Sternen schießt.“
„Auch für mich gab es Freude und Glück nur auf anderen Sternen.“
Jeder von ihnen tastete im Dunkel der fremden Erlebnisse nach den Umrissen der eigenen.
„Die Welt: sie wird uns, sind wir sehr allein, zum Spiel nach eigenen Rhythmen, dient uns als Vorwand, uns selbst zu genießen. Wir sind so gut über sie im reinen, daß wir sie unter uns gebracht haben und, ihrer sicher und getrost, nun anfangen können, sie zu lieben . . .“