„Zum Beispiel hätte ich die Hand nicht geben sollen . . .“

Lola mußte sie ansehen: sie sah nicht mehr weichlich aus; ihre Adern hatten sich entleert, und sie schien fester und nerviger.

„Aber ich schäme mich in solchen Augenblicken ein wenig — und das verhindert die Geistesgegenwart —: schäme mich für mich, und auch für den, der seine dumme Herrschsucht an mir auslassen mag . . . Dabei glaubt dieser Herr sehr geistreich zu sein.“

„O sehr;“ und sie horchte flüchtig auf das Gelächter, das Gwinner unterhielt.

„Fällt Ihnen aber gar nicht ein, daß Sie die Hand aufheben könnten?“ sagte sie, mit einer Wallung von Zorn. Er antwortete:

„Nachher manchmal, ja. Doch möchte ich’s im Grunde nicht getan haben. Die Gebärde dessen, der schlägt, kann ich nicht umhin, ein wenig grotesk zu finden. Zu viel Selbstbehauptung. Wer die Dinge überblickt, regt sich nicht so stark und legt sich selbst nicht so viel Recht bei.“

„Ach! . . .“

Sie setzte mehrmals an; hiermit mußte sie erst fertig werden; und inzwischen sah sie ihn dasitzen, schon wieder so zusammengesunken, wie er wohl auch im Dunkeln neben ihr gesessen hatte, die breiten, flachen Schläfen vorgeneigt und das schwache Untergesicht von ihnen beschattet, — und in dieser spannungslosen Haltung viel sicherer, viel edler, sichtlich viel mehr er selbst, als wenn er sich krampfhaft zu kriegerischen Mienen nötigte, die jeder durchschaute, deren jeder spottete . . . Seine Haltung war’s, die ihr Verständnis für seine Worte gab, Mitempfinden seiner Worte.

„Das ist enthaltsam — rein, wenn Sie wollen. Aber ist es nicht widermenschlich?“

„Wider den herkömmlichen Menschen, wohl.“