Also sprach der Schäfer aus dem Braunschweigischen und erzählte, ehe er auf den Schafhandel ging, noch von einigen schweren Krankheitsfällen, aus denen Vater Oelkers neue Hoffnung schöpfen konnte.
Unterdessen war Steffen schon nach Drewes hinübergelaufen und hatte erzählt, daß der Schäfer aus dem Braunschweigischen da sei, der den großen Segen der Adelheid Neddermeyer aus Engelstedt könne.
Mutter Drewes namentlich war über die Maßen verwundert, hatte keine Ruhe mehr auf der Stelle und nötigte ihren Mann, daß er schnell mit hinüber ging.
Und sie saßen lange mit dem wackern Braunschweiger zusammen, und Mutter Drewes redete ihm immer dringender zu, daß er ihnen den Segen lassen möchte, da er doch vielleicht niemals in ihr Dorf zurückkäme.
Der Schäfer sträubte sich erst; da er aber eine gutmütige Seele und nicht allein auf sich bedacht war, so willigte er zuletzt ein. Er könne ihn jedoch nur auf eine Frau oder ein Mädchen übertragen.
Freilich, das wußte man, und da in Oelkers Hause kein weibliches Wesen war, so schlug Mutter Drewes vor, daß er den Spruch ihre Tochter lehre, die „leichtlernig“ sei und ihn wieder auf Steffen oder Marten übertragen könne.
Der Schäfer war einverstanden und ging auch sogleich mit hinüber.
Meister Drewes machte ein ordentliches Abendbrot zurecht, um ihn gut zu bewirten, und bis es fertig auf dem Tische stand, lehrte der Schäfer das Mädchen in der verschlossenen Stube den Bautespruch. Sophie war erst ganz verwundert und scheute sich wegen der eigentümlichen Heimlichkeit, den Spruch zu lernen. Doch als ihr der Schäfer in seiner gutmütigen Art zuredete und ihr sagte, daß sie einen Vorzug vor vielen hätte, gab sie sich willig darein. Der Schäfer sah sie feierlich an und sagte: „Nun höre zu, meine Tochter. Erst sage ich ihn ganz und dann nehmen wir eine Reihe nach der andern. Und was wir tun, das tun wir alles im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes.“ Dann sagte er diesen Spruch:
„Unsere liebe Frau und Sankt Johannes
Die gingen zu Hauf über einen Barg,