»Hört Ihr’s?« rief da Helmbold wieder. »Er hat die Lust zum fahrenden Wesen noch in den
Gliedern, und gebt Acht, ’s ist ihm schon leid auf des Grafen Roß, schliche lieber zu Fuß.«
»Hm«, sagt’ ich ärgerlich, »was nicht reitet, das gilt Euch nichts.«
»Ein Mann, sitzt er nur hoch zu Pferd,
Dünkt zwier sich mehr als Andre werth!«
»So ist’s recht!« rief da Helmbold wieder mit Lachen. »Jetzt, Diether, kommt Ihr auf Eure Kunst. Und weil sie trefflich geschickt ist, den Weg zu kürzen, so ist’s billig, daß wir des Singemeisters in unserer Mitte genießen. Hebt denn an und laßt uns etwas hören!«
Da stimmten sie alle zu: »Ja, Diether! singt uns vor und herzhaft.«
Weil sie also anhielten, einen Gesang zu heischen, so that ich ihnen den Willen und sang
Das Lied vom Schützen Oswald.
»Und hätt’ ich gegriffen ihn nicht in der Schlucht
Mit Listen: noch wär’ ich vor ihm auf der Flucht;
Geweiht
War dem Tode zu jeglicher Zeit,
Was lebend sein Pfeil zum Ziel sich ersah,
Ob fern, ob nah:
Den Hirsch im Sprung und den Aar im Flug,
Herr Oswald der Schütz traf ihn gut genug.
Nun liegt er gefangen im tiefen Thurm,
Umkrächzt von den Krähen, umheult vom Sturm,
Und aus
Stach ich ihm (baß schmeckt nun der Schmaus
Und ungekränkt trag’ ich die Grafenkron’)
Die Augen zum Hohn;«
Graf Otto ruft’s laut. »Ich sag’s Euch mit Fug,
Herr Oswald der Schütze traf gut genug.«