Kunigunde. Nehmt, nehmt, Herr Graf vom Strahl! Die Briefe sind Zweideutig, seh ich ein, der Wiederkauf, Zu dem sie mich berechtigen, verjährt; Doch wär mein Recht so klar auch, wie die Sonne, Nicht gegen Euch mehr kann ichs geltend machen.
Der Graf vom Strahl. Niemals, mein Fräulein, niemals, in der Tat!
Mit Freuden nehm ich, wollt Ihr mir ihn schenken, Von Euch den
Frieden an; doch, wenn auch nur Der Zweifel eines Rechts auf Stauffen
Euer, Das Dokument nicht, das ihn Euch belegt! Bringt Eure Sache vor,
bei Kaiser und bei Reich, Und das Gesetz entscheide, wer sich irrte.
Kunigunde (zur Gräfin). Befreit denn Ihr, verehrungswürdge Gräfin, Von diesen leidgen Dokumenten mich, Die mir in Händen brennen, widerwärtig Zu dem Gefühl, das mir erregt ist, stimmen, Und mir auf Gottes weiter Welt zu nichts mehr, Lebt ich auch neunzig Jahre, helfen können.
Gräfin (steht gleichfalls auf). Mein teures Fräulein! Eure Dankbarkeit Führt Euch zu weit. Ihr könnt, was Eurer ganzen Familie angehört, in einer flüchtigen Bewegung nicht, die Euch ergriff, veräußern. Nehmt meines Sohnes Vorschlag an und laßt In Wetzlar die Papiere untersuchen; Versichert Euch, Ihr werdet wert uns bleiben, Man mag auch dort entscheiden, wie man wolle.
Kunigunde (mit Affekt). Nun denn, der Anspruch war mein Eigentum! Ich brauche keinen Vetter zu befragen, Und meinem Sohn vererb ich einst mein Herz! Die Herrn in Wetzlar mag ich nicht bemühn: Hier diese rasche Brust entscheidet so!
(Sie zerreißt die Papiere und läßt sie fallen.)
Gräfin. Mein liebes, junges, unbesonnes Kind, Was habt Ihr da getan?—Kommt her, Weils doch geschehen ist, daß ich Euch küsse.
(Sie umarmt sie.)
Kunigunde. Ich will daß dem Gefühl, das mir entflammt, Im Busen ist, nichts fürder widerspreche! Ich will, die Scheidewand soll niedersinken, Die zwischen mir und meinem Retter steht! Ich will mein ganzes Leben ungestört, Durchatmen, ihn zu preisen, ihn zu lieben.
Gräfin (gerührt). Gut, gut, mein Töchterchen. Es ist schon gut, Ihr seid zu sehr erschüttert.