Der Graf vom Strahl. So fern dich!—Am Eingang steht ein Knecht, dem gib den Brief, Und kehr des Weges heim, von wo du kamst.

Käthchen. Gut, gut. Du wirst mich dir gehorsam finden. Peitsch mich nur nicht, bis ich mit Gottschalk sprach.—(Sie kehrt sich zu Gottschalk um.) Nimm du den Brief.

Gottschalk. Gib her, mein liebes Kind. Was ist dies für ein Brief?
Und was enthält er?

Käthchen. Der Brief hier ist vom Graf vom Stein, verstehst du? Ein
Anschlag, der noch heut vollführt soll werden, Auf Thurneck, diese
Burg, darin enthalten, Und auf das schöne Fräulein Kunigunde, Des
Grafen, meines hohen Herren, Braut.

Gottschalk. Ein Anschlag auf die Burg? Es ist nicht möglich! Und vom Graf Stein?—Wie kamst du zu dem Brief?

Käthchen. Der Brief ward Prior Hatto übergeben, Als ich mit Vater just, durch Gottes Fügung, In dessen stiller Klause mich befand. Der Prior, der verstand den Inhalt nicht, Und wollt ihn schon dem Boten wiedergeben; Ich aber riß den Brief ihm aus der Hand, Und eilte gleich nach Thurneck her, euch alles Zu melden, in die Harnische zu jagen; Denn heut, Schlag zwölf um Mitternacht, soll schon Der mörderische Frevel sich vollstrecken.

Gottschalk. Wie kam der Prior Hatto zu dem Brief?

Käthchen. Lieber, das weiß ich nicht; es ist gleichviel. Er ist, du siehst, an irgend wen geschrieben, Der hier im Schloß zu Thurneck wohnhaft ist; Was er dem Prior soll, begreift man nicht. Doch daß es mit dem Anschlag richtig ist, Das hab ich selbst gesehn; denn kurz und gut, Der Graf zieht auf die Thurneck schon heran: Ich bin ihm, auf dem Pfad hieher, begegnet.

Gottschalk. Du siehst Gespenster, Töchterchen!

Käthchen. Gespenster!—Ich sage, nein! So wahr ich Käthchen bin! Der Graf liegt draußen vor der Burg, und wer Ein Pferd besteigen will, und um sich schauen, Der kann den ganzen weiten Wald ringsum Erfüllt von seinen Reisigen erblicken!