Penthesilea. Laßt, laßt!
(sie wickelt sich los, und läßt sich auf Knieen vor
der Leiche nieder)
Du Aermster aller Menschen, du vergiebst mir!
Ich habe mich, bei Diana, bloß versprochen,
Weil ich der raschen Lippe Herr nicht bin;
Doch jetzt sag' ich dir deutlich, wie ichs meinte:
Dies, du Geliebter, war's, und weiter nichts.
(sie küßt ihn)
Die Oberpriesterinn.
Schafft sie hinweg!
Meroe. Was soll sie länger hier?
Penthesilea.
Wie Manche, die am Hals des Freundes hängt,
Sagt wohl das Wort: sie lieb' ihn, o so sehr,
Daß sie vor Liebe gleich ihn essen könnte;
Und hinterher, das Wort beprüft, die Närrinn!
Gesättigt sein zum Eckel ist sie schon.
Nun, du Geliebter, so verfuhr ich nicht.
Sieh her: als ich an deinem Halse hieng,
Hab' ich's wahrhaftig Wort für Wort gethan;
Ich war nicht so verrückt, als es wohl schien.
Meroe.
Die Ungeheuerste! Was sprach sie da?
Die Oberpriesterinn.
Ergreift sie! Bringt sie fort!
Prothoe. Komm, meine Königinn!
Penthesilea. (sie läßt sich aufrichten)
Gut, gut. Hier bin ich schon.
Die Oberpriesterinn. So folgst du uns?
Penthesilea.
Euch nicht!—
Geht ihr nach Themiscyra, und seid glücklich,
Wenn ihr es könnt—
Vor allen meine Prothoe—
Ihr Alle—
Und——im Vertraun ein Wort, das niemand höre,
Der Tanaïs Asche, streut sie in die Luft!