Die Oberpriesterinn. (zur Hauptmänninn)
Die Königinn, sagst du? Unmöglich, Freundinn!
Von Amors Pfeil getroffen—wann? Und wo?
Die Führerinn des Diametengürtels?
Die Tochter Mars, der selbst der Busen fehlt,
Das Ziel der giftgefiederten Geschosse?

Die Hauptmännin.
So sagt des Volkes Stimme mindestens,
Und Meroe hat es eben mir vertraut.

Die Oberpriesterinn.
Es ist entsetzlich!

Die Amazone. (kehrt wieder zurück)

Die erste Priesterinn.
Nun? was bringst du? Rede!

Die Oberpriesterinn.
Ist es bestellt? Sprachst du die Königinn?

Die Amazone.
Es war zu spät, Hochheilige, vergieb.
Ich konnte sie, die von dem Troß der Frauen
Umschwärmt, bald hier, bald dort erschien, nicht treffen.
Wohl aber Prothoe, auf einen Augenblick,
Traf ich, und sagt' ihr, was dein Wille sei;
Doch sie entgegnete—ein Wort, nicht weiß ich,
Ob ich in der Verwirrung recht gehört.

Die Oberpriesterinn.
Nun, welch ein Wort?

Die Amazone. Sie hielt, auf ihrem Pferde
Und sah, es schien, mit thränenvollen Augen,
Der Königinn zu. Und als ich ihr gesagt,
Wie du entrüstet, daß die Sinnberaubte
Den Kampf noch um ein einzeln Haupt verlängre,
Sprach sie: geh hin zu deiner Priesterinn,
Und heiße sie daniederknieen und beten,
Daß ihr dies eine Haupt im Kampf noch falle;
Sonst keine Rettung giebt's, für sie und uns.

Die Oberpriesterinn.
O sie geht steil-bergab den Pfad zum Orkus!
Und nicht dem Gegner, wenn sie auf ihn trifft,
Dem Feind' in ihrem Busen wird sie sinken.
Uns alle reißt sie in den Abgrund hin;
Den Kiel seh' ich, der uns Gefesselte
Nach Hellas trägt, geschmückt mit Bändern höhnend
Im Geiste schon den Hellespont durchschäumen.