Prothoe. plötzlich gerührt, indem sie sich neben ihr
niedersetzt)
Nun, wie du willst.
Wenn du nicht kannst, nicht willst—sei's! Weine nicht.
Ich bleibe bei dir. Was nicht möglich ist,
Nicht ist, in deiner Kräfte Kreis nicht liegt,
Was du nicht leisten kannst: die Götter hüten,
Daß ich es von dir fordre! Geht, ihr Jungfrau'n,
Geht; kehrt in eure Heimathsflur zurück:
Die Königinn und ich, wir bleiben hier.

Die Oberpriesterinn.
Wie, du Unseel'ge? Du bestärkst sie noch?

Meroe.
Unmöglich wär's ihr, zu entfliehn?

Die Oberpriesterinn. Unmöglich,
Da nichts von außen sie, kein Schicksal, hält,
Nichts als ihr thörigt Herz—

Prothoe. Das ist ihr Schicksal!
Dir scheinen Eisenbanden unzerreißbar,
Nicht wahr? Nun sieh: sie bräche sie vielleicht,
Und das Gefühl doch nicht, das du verspottest.
Was in ihr walten mag, das weiß nur sie,
Und jeder Busen ist, der fühlt, ein Räthsel.
Des Lebens höchstes Gut erstrebte sie,
Sie streift', ergriff es schon: die Hand versagt ihr,
Nach einem andern noch sich auszustrecken.
Komm, magst du's jetzt an meiner Brust vollenden.
—Was fehlt dir? Warum weinst du?

Penthesilea. Schmerzen, Schmerzen—

Prothoe.
Wo?

Penthesilea.
Hier.

Prothoe.
Kann ich dir Lindrung—?

Penthesilea. Nichts, nichts, nichts.