Diomedes.
Kein Mensch, das eben ist's: wohin wir spähend
Auch des Gedankens Senkblei fallen lassen.
—oft, aus der sonderbaren Wuth zu schließen,
Mit welcher sie, im Kampfgewühl, den Sohn
Der Thetis sucht, scheint's uns, als ob ein Haß
Persönlich wider ihn die Brust ihr füllte.
So folgt, so hungerheiß, die Wölfinn nicht,
Durch Wälder, die der Schnee bedeckt, der Beute,
Die sich ihr Auge grimmig auserkohr,
Als sie, durch unsre Schlachtreihn, dem Achill.
Doch jüngst, in einem Augenblick, da schon
Sein Leben war in ihre Macht gegeben,
Gab sie es lächelnd, ein Geschenk, ihm wieder:
Er stieg zum Orkus, wenn sie ihn nicht hielt.

Antilochus.
Wie? Wenn ihn wer? Die Königinn?

Diomedes. Sie selbst!
Denn als sie, um die Abenddämmrung gestern,
Im Kampf, Penthesilea und Achill,
Einander trafen, stürmt Deiphobus her,
Und auf der Jungfrau Seite hingestellt,
Der Teukrische, trifft er dem Peleïden
Mit einem tück'schen Schlag die Rüstung prasselnd,
Daß rings der Ormen Wipfel wiederhallten.
Die Königinn, entfärbt, läßt zwei Minuten
Die Arme sinken: und die Locken dann
Entrüstet um entflammte Wangen schüttelnd,
Hebt sie vom Pferdes-Rücken hoch sich auf,
Und senkt, wie aus dem Firmament geholt,
Das Schwerdt ihm wetterstrahlend in den Hals,
Daß er zu Füssen hin, der Unberufne,
Dem Sohn, dem göttlichen, der Thetis rollt.
Er jetzt, zum Dank, will ihr, der Peleïde,
Ein Gleiches thun; doch sie bis auf den Hals
Gebückt, den mähnumflossenen, des Schecken,
Der, in dem Goldzaum beißend, sich herumwirft,
Weicht seinem Mordhieb aus, und schießt die Zügel,
Und sieht sich um, und lächelt, und ist fort.

Antilochus.
Ganz wunderbar!

Odysseus. Was bringst du uns von Troja?

Antilochus.
Mich sendet Agamemnon her, und fragt dich,
Ob Klugheit nicht, bei so gewandelten
Verhältnissen, den Rückzug dir gebiete.
Uns gelt' es Iliums Mauern einzustürzen,
Nicht einer freien Fürstinn Heereszug,
Nach einem uns gleichgült'gen Ziel, zu stören.
Falls du daher Gewißheit dir verschafft,
Daß nicht mit Hülfe der Dardanerburg
Penthesilea naht, woll' er, daß ihr
Sogleich, um welchen Preis gleichviel, euch wieder
In die argivische Verschanzung werft.
Verfolgt sie euch, so werd' er, der Atride,
Dann an des Heeres Spitze selber sehn,
Wozu sich diese räthselhafte Sphinx
Im Angesicht von Troja wird entscheiden.

Odysseus.
Beim Jupiter! Der Meinung bin ich auch.
Meint ihr, daß der Laertiade sich
In diesem sinnentblößten Kampf gefällt?
Schafft den Peliden weg von diesem Platze!
Denn wie die Dogg' entkoppelt, mit Geheul
In das Geweih des Hirsches fällt: der Jäger,
Erfüllt von Sorge, lockt und ruft sie ab;
Jedoch verbissen in des Prachtthiers Nacken,
Tanzt sie durch Berge neben ihm, und Ströme,
Fern in des Waldes Nacht hinein: so er,
Der Rasende, seit in der Forst des Krieges
Dieß Wild sich von so seltner Art, ihm zeigte.
Durchbort mit einem Pfeilschuß, ihn zu fesseln,
Die Schenkel ihm: er weicht, so schwört er, eher
Von dieser Amazone Ferse nicht,
Bis er bei ihren seidnen Haaren sie
Von dem gefleckten Tiegerpferd gerissen.
Versuch's, o Antiloch, wenn's dir beliebt
Und sieh', was deine rednerische Kunst,
Wenn seine Lippe schäumt, bei ihm vermag.

Diomedes.
Laßt uns vereint, ihr Könige, noch einmal
Vernunft keilförmig, mit Gelassenheit,
Auf seine rasende Entschließung setzen.
Du wirst, erfindungsreicher Larissäer,
Den Riß schon, den er beut, zu finden wissen.
Weicht er dir nicht, wohlan, so will ich ihn
Mit zwei Ätoliern auf den Rücken nehmen,
Und einem Klotz gleich, weil der Sinn ihm fehlt,
In dem Argiverlager niederwerfen.

Ulysses.
Folgt mir!

Antilochus.
Nun? Wer auch eilt uns dort heran?