Achilles. (indem er sein Gesicht an ihre Brust drückt)
O Königinn!
Der Sitz der jungen, lieblichen Gefühle,
Um eines Wahns, barbarisch—
Penthesilea. Sei ganz ruhig.
Sie retteten in diese Linke sich,
Wo sie dem Herzen um so näher wohnen.
Du wirst mir, hoff' ich, deren keins vermissen.—
Achilles.
Fürwahr! Ein Traum, geträumt in Morgenstunden,
Scheint mir wahrhaft'ger, als der Augenblick.
—Doch weiter.
Penthesilea. Wie?
Achilles. Du bist den Schluß noch schuldig.
Denn dieser überstolze Frauenstaat,
Der ohn' der Männer Hülf' entstand, wie pflanzt er
Doch ohne Hülfe sich der Männer fort?
Wirft euch Deukalion, von Zeit zu Zeit,
Noch seiner Schollen Eine häuptlings zu?
Penthesilea.
So oft nach jährlichen Berechnungen,
Die Königinn dem Staat ersetzen will,
Was ihr der Tod entrafft, ruft sie die blühendsten
Der Frauen—
(stockt und sieht ihn an)
Warum lächelst du?
Achilles. Wer? Ich?
Penthesilea.
Mich dünkt, du lächelst, Lieber.
Achilles.—Deiner Schöne.
Ich war zerstreut. Vergieb. Ich dachte eben,
Ob du mir aus dem Monde niederstiegst?—
Penthesilea. (nach einer Pause)
So oft, nach jährlichen Berechnungen,
Die Königinn, was ihr der Tod entrafft,
Dem Staat ersetzen will, ruft sie die blüh'ndsten
Der Fraun, von allen Enden ihres Reichs,
Nach Themiscyra hin, und fleht, im Tempel
Der Artemis, auf ihre jungen Schöße
Den Seegen keuscher Marsbefruchtung nieder.
Ein solches Fest heißt, still und weich gefeiert,
Der blühnden Jungfraun Fest, wir warten stets,
Bis—wenn das Schneegewand zerhaucht, der Frühling
Den Kuß drückt auf den Busen der Natur.
Diana's heil'ge Priesterinn verfügt,
Auf dies Gesuch, sich in den Tempel Mars,
Und trägt, am Altar hingestreckt, dem Gott
Den Wunsch der weisen Völkermutter vor.
Der Gott dann, wenn er sie erhören will,
—Denn oft verweigert er's, die Berge geben,
Die schneeigen, der Nahrung nicht zu viel—
Der Gott zeigt uns, durch seine Priesterinn,
Ein Volk an, keusch und herrlich, das, statt seiner,
Als Stellvertreter, uns erscheinen soll.
Des Volkes Nam' und Wohnsitz ausgesprochen,
Ergeht ein Jubel nun durch Stadt und Land.
Marsbräute werden sie begrüßt, die Jungfraun,
Beschenkt mit Waffen, von der Mütter Hand,
Mit Pfeil' und Dolch, und allen Gliedern fliegt,
Von ems'gen Händen jauchzend rings bedient,
Das erzene Gewand der Hochzeit an.
Der frohe Tag der Reise wird bestimmt,
Gedämpfter Tuben Klang ertönt, es schwingt
Die Schaar der Mädchen flüsternd sich zu Pferd,
Und still und heimlich, wie auf woll'nen Sohlen,
Geht's in der Nächte Glanz, durch Thal und Wald,
Zum Lager fern der Auserwählten hin.
Das Land erreicht, ruhn wir, an seiner Pforte,
Uns noch zwei Tage, Thier' und Menschen, aus:
Und wie die feuerrothe Windsbraut brechen
Wir plötzlich in den Wald der Männer ein,
Und wehn die Reifsten derer, die da fallen,
Wie Saamen, wenn die Wipfel sich zerschlagen,
In unsre heimathlichen Fluren hin.
Hier pflegen wir, im Tempel Diana's, ihrer,
Durch heil'ger Feste Reih'n, von denen mir
Bekannt nichts, als der Name: Rosenfest—
Und denen sich, bei Todesstrafe, niemand,
Als nur die Schaar der Bräute nahen darf—
Bis uns die Saat selbst blühend aufgegangen;
Beschenken sie, wie Könige zusammt;
Und schicken sie, am Fest der reifen Mütter,
Auf stolzen Prachtgeschirren wieder heim.
Dies Fest dann freilich ist das frohste nicht,
Neridensohn—denn viele Thränen fließen,
Und manches Herz, von düsterm Gram ergriffen,
Begreift nicht, wie die große Tanaïs
In jedem ersten Wort zu preisen sei.—
Was träumst du?