Achilles. (lächelnd)
Ich weiß nicht, sag' ich jetzt, wie du.
Penthesilea. Nun denn,
Du sollst's erfahren.—Sieh ich hatte schon
Das heitre Fest der Rosen zwanzigmal
Erlebt und drei, und immer nur von fern,
Wo aus dem Eichenwald der Tempel ragt,
Den frohen Jubelschall gehört, als Ares,
Bei der Otrere, meiner Mutter, Tod,
Zu seiner Braut mich auserkohr. Denn die
Prinzessinnen, aus meinem Königshaus,
Sie mischen nie aus eigener Bewegung,
Sich in der blüh'nden Jungfraun Fest; der Gott,
Begehrt er ihrer, ruft sie würdig auf.
Durch seiner großen Oberpriest'rinn Mund.
Die Mutter lag, die bleiche, scheidende,
Mir in den Armen eben, als die Sendung
Des Mars mir feierlich im Pallast erschien,
Und mich berief, nach Troja aufzubrechen,
Um ihn von dort bekränzt heranzuführen.
Es traf sich, daß kein Stellvertreter je
Ernannt noch ward, willkommener den Bräuten,
Als die Helenenstämme, die sich dort umkämpften.
An allen Ecken hörte man erjauchzend,
Auf allen Märkten, hohe Lieder schallen,
Die des Hero'nkriegs Thaten feierten:
Vom Paris-Apfel, dem Helenenraub,
Von den geschwaderführenden Atriden,
Vom Streit um Briseïs, der Schiffe Brand,
Auch von Patroklus Tod, und welche Pracht
Du des Triumphes rächend ihm gefeiert;
Und jedem großen Auftritt dieser Zeit.—
In Thränen schwamm ich, jammervolle, hörte
Mit halbem Ohr nur, was die Botschaft mir,
In der Otrere Todesstunde, brachte;
"Laß mich dir bleiben, rief ich, meine Mutter,
Dein Ansehn, brauch' es heut' zum Letztenmal,
Und heiße diese Frauen wieder gehn."
Doch sie, die würd'ge Königinn, die längst
Mich schon ins Feld gewünscht—denn ohne Erben
War, wenn sie starb, der Thron und eines andern
Ehrgeitz'gen Nebenstammes Augenmerk—
Sie sagte: "geh, mein süsses Kind! Mars ruft dich!
Du wirst den Peleïden dir bekränzen:
Werd' eine Mutter, stolz und froh, wie ich
Und drückte sanft die Hand mir, und verschied.
Prothoe.
So nannte sie den Namen dir, Otrere?
Penthesilea.
—Sie nannt' ihn, Prothoe, wie's einer Mutter
Wohl im Vertrau'n zu ihrer Tochter ziemt.
Achilles.
Warum? Weshalb? Verbeut dies das Gesetz?
Penthesilea.
Es schickt sich nicht, daß eine Tochter Mars
Sich ihren Gegner sucht, den soll sie wählen,
Den ihr der Gott im Kampf erscheinen läßt.
Doch wohl ihr, zeigt die Strebende sich da,
Wo ihr die Herrlichsten entgegenstehn.
—Nicht, Prothoe?
Prothoe. So ist's.
Achilles. Nun—?
Penthesilea.—Lange weint' ich,
Durch einen ganzen kummervollen Mond,
An der Verblichnen Grab, die Krone selbst,
Die herrenlos am Rande lag, nicht greifend,
Bis mich zuletzt der wiederholte Ruf
Des Volks, das den Pallast mir ungeduldig,
Bereit zum Kriegeszug, umlagerte,
Gewaltsam auf den Thron riß. Ich erschien,
Wehmüthig strebender Gefühle voll,
Im Tempel Mars, den Bogen gab man mir,
Den klirrenden, des Amazonenreichs,
Mir war, als ob die Mutter mich umschwebte,
Da ich ihn griff, nichts schien mir heiliger,
Als ihren letzten Willen zu erfüllen.
Und da ich Blumen noch, die duftigsten,
Auf ihren Sarkophag gestreut, brach ich
Jetzt mit dem Heer der Amazonen auf,
Nach der Dardanerburg—Mars weniger,
Dem großen Gott, der mich dahin gerufen,
Als der Otrere Schatten, zu gefallen.
Achilles.
Wehmuth um die Verblichne lähmte flüchtig
Die Kraft, die deine junge Brust sonst ziert.