Kottwitz. Bei dem lebendgen Gott,
Du könntest an Verderbens Abgrund stehn,
Daß er, um dir zu helfen, dich zu retten,
Auch nicht das Schwert mehr zückte, ungerufen!

Der Kurfürst (zerreißt das Todesurteil).
So folgt, ihr Freunde, in den Garten mir!

(Alle ab.)

Szene: Schloß, mit der Rampe, die in den Garten hinabführt; wie im ersten Akt.—Es ist wieder Nacht.

Zehnter Auftritt

Der Prinz von Homburg wird vom Rittmeister Stranz mit verbundenen
Augen durch das untere Gartengitter aufgeführt. Offiziere mit Wache.
—In der Ferne hört man Trommeln des Totenmarsches.

Der Prinz von Homburg.
Nun, o Unsterblichkeit, bist du ganz mein!
Du strahlst mir, durch die Binde meiner Augen,
Mir Glanz der tausendfachen Sonne zu!
Es wachsen Flügel mir an beiden Schultern,
Durch stille Ätherräume schwingt mein Geist;
Und wie ein Schiff, vom Hauch des Winds entführt,
Die muntre Hafenstadt versinken sieht,
So geht mir dämmernd alles Leben unter:
Jetzt unterscheid ich Farben noch und Formen,
Und jetzt liegt Nebel alles unter mir.

(Der Prinz setzt sich auf die Bank, die in der Mitte des Platzes, um die Eiche aufgeschlagen ist; der Rittmeister Stranz entfernt sich von ihm, und sieht nach der Rampe hinauf.)

Der Prinz von Homburg.
Ach, wie die Nachtviole lieblich duftet!
—Spürst du es nicht?

(Stranz kommt wieder zu ihm zurück.)