Szene: Zimmer des Kurfürsten.

Erster Auftritt

Der Kurfürst steht mit Papieren an einem, mit Lichtern besetzten Tisch.—Natalie tritt durch die mittlere Tür auf und läßt sich in einiger Entfernung, vor ihm nieder. Pause.

Natalie (knieend).
Mein edler Oheim, Friedrich von der Mark!

Der Kurfürst (legt die Papiere weg).
Natalie! (Er will sie erheben.)

Natalie. Laß, laß!

Der Kurfürst. Was willst du, Liebe?

Natalie.
Zu deiner Füße Staub, wies mir gebührt,
Für Vetter Homburg dich um Gnade flehn!
Ich will ihn nicht für mich erhalten wissen—
Mein Herz begehrt sein und gesteht es dir;
Ich will ihn nicht für mich erhalten wissen—
Mag er sich welchem Weib er will vermählen;
Ich will nur, daß er da sei, lieber Onkel,
Für sich, selbständig, frei und unabhängig,
Wie eine Blume, die mir wohlgefällt:
Dies fleh ich dich, mein höchster Herr und Freund,
Und weiß, solch Flehen wirst du mir erhören.

Der Kurfürst (erhebt sie).
Mein Töchterchen! Was für ein Wort entfiel dir?
—Weißt du, was Vetter Homburg jüngst verbrach?

Natalie.
O lieber Onkel!