Der Kurfürst. Nun?
Natalie. Ach, lieber Onkel!
Hierauf zur Antwort hab ich nichts, als Tränen.
Der Kurfürst (betroffen).
Warum, mein Töchterchen? Was ist geschehn?
Natalie (zaudernd).
Der denkt jetzt nichts, als nur dies eine: Rettung!
Den schaun die Röhren, an der Schützen Schultern,
So gräßlich an, daß überrascht und schwindelnd,
Ihm jeder Wunsch, als nur zu leben, schweigt:
Der könnte, unter Blitz und Donnerschlag,
Das ganze Reich der Mark versinken sehn,
Daß er nicht fragen würde: was geschieht?
—Ach, welch ein Heldenherz hast du geknickt!
(Sie wendet sich und weint.)
Der Kurfürst (im äußersten Erstaunen).
Nein, meine teuerste Natalie,
Unmöglich, in der Tat?!—Er fleht um Gnade?
Natalie.
Ach, hättst du nimmer, nimmer ihn verdammt!
Der Kurfürst.
Nein, sag: er fleht um Gnade?—Gott im Himmel,
Was ist geschehn, mein liebes Kind? Was weinst du?
Du sprachst ihn? Tu mir alles kund! Du sprachst ihn?
Natalie (an seine Brust gelehnt).
In den Gemächern eben jetzt der Tante,
Wohin, im Mantel, schau, und Federhut
Er, unterm Schutz der Dämmrung, kam geschlichen:
Verstört und schüchtern, heimlich, ganz unwürdig,
Ein unerfreulich, jammernswürdger Anblick!
Zu solchem Elend, glaubt ich, sänke keiner,
Den die Geschicht als ihren Helden preist.
Schau her, ein Weib bin ich, und schaudere
Dem Wurm zurück, der meiner Ferse naht:
Doch so zermalmt, so fassungslos, so ganz
Unheldenmütig träfe mich der Tod,
In eines scheußlichen Leun Gestalt nicht an!
—Ach, was ist Menschengröße, Menschenruhm!
Der Kurfürst (verwirrt).
Nun denn, beim Gott des Himmels und der Erde,
So fasse Mut, mein Kind; so ist er frei!