Luther selbst hatte diese letzten Schlüsse aus seinen Gedanken nie gezogen. Ihm graute vor den Schrecken eines Bürgerkrieges: „Ehe man in Deutschland eine neue Weise des Reichs anrichtete, so wäre es dreimal verheeret.” Er wußte, daß er kein Staatsmann war, und teilte mit seinem Volke die ehrfürchtige Scheu vor der kaiserlichen Majestät, vor dem jung edlen Blut von Österreich; wie viele Zweifel mußte er überwinden, bis er sich nur entschloß, den Widerstand gegen kaiserliche Übergriffe, der doch im alten Reiche Rechtens war, gutzuheißen. Die Natur der Dinge, die Vernunft der Geschichte, hat schließlich dennoch vollendet, was in dem Heimatlande der Reformation nicht ausbleiben konnte: unrettbar brachen die geistlichen Staaten Deutschlands nach und nach zusammen, bis endlich im Anfang unseres Jahrhunderts die letzten verfaulten Trümmer der römischen Theokratie verweltlicht und mit ihnen auch die römische Kaiserkrone vernichtet wurde. Nun erst, seit unser Staat sich ehrlich zu seinem weltlichen Wesen bekannte, ward die Stätte geebnet für einen Neubau; und auch an dieser letzten heilvollen Wendung unserer Geschicke hat der Reformator seinen Anteil durch eine Tat, deren ferne Folgen ihm verhüllt blieben. Auf Luthers Rat entschloß sich der Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht von Brandenburg, den weißen Mantel mit dem schwarzen Kreuze abzulegen, die falsche Keuschheit des Mönches zu meiden und „eine rechte ordentliche Herrschaft zu gründen, die ohne Gleißen und falschen Namen vor Gott und der Welt angenehm wäre”. So ward das Ordensland Preußen, die Pflanzung des gesamten Deutschlands, in ein weltliches Herzogtum verwandelt und vor der Begehrlichkeit des polnischen Nachbarn gerettet. Luther aber schrieb dankbar: „Siehe dies Wunder! In vollem Laufe, mit vollen Segeln, eilt jetzt das Evangelium durch Preußen!” Er ahnte nicht, welche größeren Wunder unser Volk noch an seiner entlegenen Ostmark erleben sollte. Aus diesem, der alten Kirche geraubten Lande, das mit dem Protestantismus stand und fiel, ist in unvergeßlichen Kämpfen die streitbare Großmacht unserer neuen Geschichte hervorgegangen und endlich, als die Zeiten sich erfüllten, der neue Staat der Deutschen, der nicht heilig sein will und nicht römisch, sondern, nach den Worten des Reformators, ohne Gleißen und falschen Namen ein weltliches, ein deutsches Reich. —
Wie die Einheit des deutschen Staates erst möglich ward, seit die letzten Staatsgebilde der römischen Kirche von unserem Boden verschwanden, so verdanken wir auch den Kämpfen der Reformation das köstliche geistige Band, das uns in den Tagen deutscher Zerrissenheit lange fast allein zusammenhielt, unsere neue Sprache. Was selbst dem Zauber unserer ritterlichen Dichtung nicht gelungen war, den deutschen Norden unter die Herrschaft der hochdeutschen Sprache zu beugen, das gelang erst, als die schöne Lieblingsstätte des Minnesanges, die Wartburg, zum zweiten Male unserem Volke teuer ward und von dort die ersten Bücher der deutschen Bibel ausgingen — die Heilige Schrift, übertragen mit strenger Treue durch einen wahlverwandten religiösen Genius und doch so ganz verdeutscht, so ganz beseelt von dem Hauche deutschen Gemütes, daß wir uns heute das Bibelwort in anderer Fassung kaum noch denken können. Gleich den Italienern empfingen wir unsere Schriftsprache mit einem Male durch die Tat eines Mannes. Es liegt aber im Wesen des Genius, das Notwendige, das einfach Natürliche zu wollen. Wie Dante nicht willkürlich neuerte, sondern nur die Volkssprache seiner toskanischen Heimat adelte und durchgeistigte, so hegte auch Luther nur schlicht und recht die Absicht, von seinem ganzen Volke verstanden zu werden, damit Gott deutsch zu den Deutschen rede. Er benutzte daher das gemeinverständliche Mitteldeutsch, das schon überall, wo Ober- und Niederdeutsche unter einem Herrscher zusammensaßen, in dem Staate des deutschen Ordens, in den Kanzleien der lützelburgischen Kaiser und der sächsischen Kurfürsten von der Obrigkeit geredet wurde.
Also wirkten gebend und empfangend alle Stämme der Nation zu den Taten der Reformation zusammen. Im Norden fand der Protestantismus seinen festen politischen Rückhalt; die mächtige Sprache aber, welche fortan das evangelische Deutschland geistig beherrschte, kam aus dem Oberlande, aus jenen Gauen Süd- und Mitteldeutschlands, die zu allen Zeiten das warme Nest unserer Dichtung und also auch der Sprachbildung geblieben sind. Und dies Hochdeutsch war die Sprache von Luthers Heimat; seine Laute klangen ihm vertraut von Kindesbeinen an; so hatte er schon das Volk in den Mansfelder Bergwerken, seines lieben Vaters Schlegelgesellen, reden hören. Sprachgewaltig, wie seitdem nur einer noch, Goethe, ward er der volkstümlichste aller unserer Schriftsteller. In seinen Schriften vereinigt sich, was sonst unvereinbar scheint, der Tiefsinn, die gedrängte Gedankenfülle des Buchs und die fortreißende Macht, der sprudelnde Wörterreichtum der Rede, so daß der Leser immer die herzbewegende Stimme des Predigers zu hören meint; dem Einfältigen geben sie genug, und der Denkende findet des Nachsinnens kein Ende. In Kämpfen geboren, kann diese Sprache des Freimuts und der Wahrhaftigkeit bis zum heutigen Tage die Zeichen ihres Ursprungs nicht verleugnen. Gewaltig vermag sie zu zürnen, übermütig zu spielen in toller Laune, zu den Höhen des Gedankens steigt sie kühn empor, für jedes holde Geheimnis des Herzens findet sie ein liebliches Wort; doch wer sie zwingen will, ihre Meinung zu bemänteln oder tückisch unterm Zaum hervor zu beißen oder gar den überbildeten Geschmack durch das Pikante und Scharmante zu reizen, dem schenkt sie wenig, den läßt sie betteln gehen an den Tischen der Fremden.
Mehr denn hundert Jahre hat es noch gewährt, bis dies neue Deutsch, das in der Predigt und dem Gemeindegesange der evangelischen Kirche kräftig erklang, zum Gemeingut unseres Volkes wurde, bis auch die Wissenschaft volkstümlich und weltlich ward und das Wort sich ganz erfüllte, das Ulrich von Hutten schon in den ersten Tagen überschwenglicher Hoffnung zuversichtlich in die Welt hinausgerufen hatte: „Sonst waren nur die Pfaffen gelehrt, jetzt hat uns Gott auch Kunst beschert, daß wir die Bücher auch verstahn”. Um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts kam über den lutherischen Zweig des deutschen Protestantismus eine lange Zeit unheilvoller Erstarrung, da fast allein die weihevollen Klänge des evangelischen Kirchenliedes noch Kunde gaben von dem ursprünglichen Geiste der Reformation und in der neuen wie in der alten Kirche herrschsüchtige Theologen der weltlichen Wissenschaft Richtung und Grenze vorschrieben. Nur der Heldenmut seiner tatkräftigeren Schwesterkirche, nur der Kampf der Calvinisten Niederlands wider die spanische Krone, bewahrte damals das verkommene Luthertum vor dem sicheren Untergange. Erst der Jammer des Dreißigjährigen Krieges brachte auch uns die Selbstbesinnung. Die Pietisten von Halle erweckten unserem Volke wieder den lebendigen evangelischen Geist, den Geist der brüderlichen Liebe, der das Evangelium leben wollte und über dem öden Buchstabengezänk der letzten Jahrzehnte ganz vergessen schien; Pufendorf vertrieb die Theologen aus den politischen Wissenschaften, Thomasius wagte zuerst auf deutschem Lehrstuhl deutsch zu reden; und auf dem also bereiteten Boden erhob sich sodann unsere neue Wissenschaft und Dichtung, ganz frei von konfessioneller Härte, weltlich von Grund aus, weit kühner in ihren Gedanken, als Luther selbst jeweils gebilligt hätte, und dennoch protestantisch. Alle ihre Führer gehörten dem Protestantismus an. Nur aus der Autonomie des Gewissens, die uns Luther errungen, konnte das neue Ideal der Humanität hervorgehen. Mit Entsetzen vernahmen die bayerischen Jesuiten das „lutherische Deutsch” dieser neuen Bildung; doch unhemmbar hielt sie ihren friedlichen Siegeszug auch durch das katholische Deutschland, bis sie schließlich alles, was deutsch war, in den frischen Strom ihrer Gedanken hineingezogen hatte; und heute sehen wir mit Freude, wie selbst die Vorkämpfer Roms unter unseren Landsleuten längst lutherisch deutsch gelernt haben, wie sie wider uns streiten mit Waffen, die in unserer Schmiede gehämmert sind.
Seit die Kirche sich auf ihren geistlichen Beruf beschränkt sah, erhielt alles redliche weltliche Schaffen erst seine sittliche Rechtfertigung. Das Rätsel war gelöst, das jenem Dichter des Mittelalters so ganz unlösbar schien: wie Reichtum und Ehre sich mit der Gnade Gottes vertragen sollten. Die Ewigkeit trat dem Gläubigen mitten in sein Leben hinein, und er fühlte, daß er auch mit seiner Hände Arbeit dienen könne und solle. Selbst den Kriegsleuten gab Luther die tröstliche Gewißheit, daß sie auch in seligen Stand kommen würden, wenn sie ihres harten Handwerks in Treue warteten. Seit eine Kirche ohne Klerisei bestand, konnte auch in den rein katholischen Ländern der Klerus sich nicht mehr auf die Dauer als der erste Stand behaupten. In Deutschland aber wurden jene mittleren Schichten der Gesellschaft, zu denen Luther vornehmlich geredet hatte, mehr und mehr zum Kerne der Nation. Auch die soziale Macht, welche die gelehrte Bildung und mit ihr leider der Doktrinarismus im deutschen Leben behauptet, hat ihren ersten Ursprung in der Wirksamkeit des größten aller deutschen Professoren.
Der Protestantismus entstammt einem derben männischen Jahrhundert, das nach den Frauen wenig fragte, und die nüchternen Formen seines Kultus vermögen der frommen Sehnsucht des weiblichen Herzens nicht immer zu genügen. Und doch hat Luther die deutschen Frauen höher erhoben, als sie je vordem gestanden hatten in den Zeiten, da noch die gnadenreiche Mutter Gottes angerufen ward; er hat den Wirkungskreis des Weibes, das Haus wieder zu Ehren gebracht vor Gott und Menschen. Schwer mußte er kämpfen, ehe er sich das Herz faßte, um die Hand seiner Käthe zu werben; was zuletzt den Ausschlag gab, war doch nicht bloß die Sehnsucht nach häuslichem Glück, sondern das Gefühl einer heiligen Pflicht. Wie oft hat er den Klosterleuten zugerufen: „Wer hat dich etwas geloben und schwören heißen, was wider Gott und seine Ordnung ist, nämlich daß du schwörest, du seiest kein Mann und kein Weib?” War er berechtigt also zu fragen, war die Ehe wirklich ein heiliger Stand, Gott wohlgefälliger als die Gelübde der Beschorenen, dann mußte er selber mit seinem Leib und Leben Zeugnis ablegen für seine Lehre. Er wußte, welch eine Schlammflut ekler Verdächtigungen sich nun heranwälzen mußte gegen ihn, dessen makelloser Name bisher einer großen Sache zum Schilde gedient und allen Pfeilen der Verleumder widerstanden hatte. Freiwillig nahm er dies Kreuz auf sich; denn überzeugender, siegreicher konnte sich die sittliche Macht der evangelischen Freiheit nicht erweisen, als wenn die Ehe des entlaufenen Mönches und der entlaufenen Nonne zum Vorbild wurde für Tausende frommer Menschen.
Und sie ward es. Dies mit allen Flüchen der römischen Kirche beladene Haus lebt in unser aller Herzen. Wir denken seiner, wenn am Weihnachtsabend vor dem Tannenbaume die hellen Stimmen unserer Kinder die frohe Botschaft singen: „Vom Himmel hoch da komm ich her”; wir sehen ihn vor Augen, den alten Doktor, wie er, ein Gewissensrat seiner lieben Deutschen, allen den Zweifelnden und Beladenen, die von nah und fern zu ihm eilen, Lehre, Trost und Hilfe spendet und immer mit seinem freien Gemüt Partei nimmt für das Recht des Herzens, für die Stimme der Natur, für die Billigkeit und die Liebe; wir hören sein herzliches Lachen, wenn er den zagenden Melanchthon mit kräftigem Zuspruch aufrichtet oder in neidloser Freundschaft die Größe seines kleinen Griechen preist; wir freuen uns seiner goldenen Laune, wenn er abends um seinen gastlichen Tisch den Becher kreisen läßt und die deutscheste der Künste, Frau Musika, zu den fröhlichen Zechern ladet: „Hie kann nicht sein ein böser Mut, wo da singen Gesellen gut”; wir klagen mit ihm, wenn er, überwältigt vom menschlichsten Schmerze, an der Bahre seines Lenchens weint. So war das erste evangelische Pfarrhaus; und wie viele Tränen sind seitdem von den Frauen unserer Landpfarrer getrocknet, wie viele gute und hochbegabte Männer in diesen friedlichen Heimstätten einer gelehrten und doch der Natur nicht entfremdeten Bildung erzogen worden.
All unser Tun ist Stückwerk, und in der Geschichte dauert der Name keines Mannes, der nicht größer war als seine Werke. Das köstlichste Vermächtnis, das Luther unserem Volke hinterlassen hat, bleibt doch er selber und die lebendige Macht seines gottbegeisterten Gemüts. Keine andere der neueren Nationen hat je einen Mann gesehen, der so seinen Landsleuten jedes Wort von den Lippen genommen, der so in Art und Unart das innerste Wesen seines Volkes verkörpert hätte. Ein Ausländer mag wohl ratlos fragen: wie nur so wunderbare Gegensätze in einer Seele zusammenliegen mochten: diese Gewalt zermalmenden Zornes und diese Innigkeit frommen Glaubens, so hohe Weisheit und so kindliche Einfalt, so viel tiefsinnige Mystik und so viel Lebenslust, so ungeschlachte Grobheit und so zarte Herzensgüte, und wie derselbe ungeheure Mensch, der einen Brief an Seine Fürstliche Ungnaden Herzog Georg von Sachsen kurzab unterzeichnete „Von Gottes Gnaden Martin Luther, Evangelist zu Wittenberg”, dann wieder zerknirscht vor Gott in den Staub sinken konnte. Wir Deutschen finden in alledem kein Rätsel, wir sagen einfach: das ist Blut von unserem Blute. Aus den tiefen Augen dieses urwüchsigen deutschen Bauernsohnes blitzte der alte Heldenmut der Germanen, der die Welt nicht flieht, sondern sie zu beherrschen sucht durch die Macht des sittlichen Willens; und weil er heraussagte, was im Gemüte seines Volkes schon lebte, nur halb konnte der arme Mönch, der soeben noch aus dem stillen Augustinerkloster am Monte Pincio demütig hinübergepilgert war nach den Hallen von St. Peter, in wenigen Jahren wachsen und wachsen und schließlich der neuen römischen Weltmacht ebenso furchtbar werden, wie einst die deutschen Kohortenstürmer dem Reiche der Cäsaren. Ein Menschenalter nach Luthers Tode bekannten sich schon vier Fünftel unserer Nation zum evangelischen Glauben. In den meisten der deutschen Landschaften, welche die römische Kirche heute beherrscht, verdankt sie ihre Herstellung der Macht des Schwertes, und fast überall, wo das Evangelium gewaltsam ausgerottet wird, kränkelt der deutsche Geist noch heute, als wäre ihm eine seiner Schwingen gelähmt. Wo immer deutsches und fremdes Volkstum feindselig aufeinander stößt, da war der Protestantismus allezeit unser sicherster Grenzhüter. In unseren Nordostmarken gilt deutsch und evangelisch, polnisch und römisch-katholisch längst als gleichbedeutend, und unter den deutschen Stämmen Österreichs bewahrt sich keiner sein Volkstum so treu wie das evangelische Sachsenvolk Siebenbürgens. —
Wohl ziemt es uns, in diesen Tagen der Feier, da die Gestalt des Reformators lebendig in unsere Gegenwart hineintritt, auch der Warnung zu gedenken, die er einst seinen Deutschen zurief: „Gottes Wort und Gnade ist ein fahrender Platzregen, der nicht wiederkommt, wo er einmal gewesen ist. Er ist bei den Juden gewesen, aber hin ist hin, sie haben nu nichts. Paulus bracht’ ihn in Griechenland. Hin ist hin, nu haben sie den Türken. Rom und latinisch Land hat ihn auch gehabt: hin ist auch hin, sie haben nu den Papst. Und ihr Deutschen dürft nicht denken, daß ihr ihn ewig haben werdet, denn der Undank und Verachtung wird ihn nicht lassen bleiben. Darum greif zu und halt zu, wer greifen und halten kann, faule Hände müssen ein böses Jahr haben”. Dieselben Mächte des Verderbens, welche einst die Reformation in ihrem natürlichen Fortgang hemmten, treiben in verwandelter Gestalt noch heute unter uns ihr Wesen: der lieblose Bruderzwist der Gläubigen, das fleischliche Evangelium der Rottengeister und die dreiste Selbstgerechtigkeit der Epikureer, wie Luther sie nannte.
Mächtiger als diese dunklen, erscheinen doch die lichten, die trostvollen Zeichen der Zeit. Das Gefühl einer tiefen inneren Verwandtschaft verbindet die Gegenwart mit den Zeiten Luthers, zwingt den Künstler unwillkürlich, die Bauformen des sechzehnten Jahrhunderts wieder aufzunehmen, den Gelehrten sich forschend in jene Zeit des Sturmes zu versenken. Vieles, was Luthers Tage nur ahnen konnten, hat unser Jahrhundert erst gestaltet und vollendet. Die neue Welt, die damals entdeckte, tritt jetzt erst in die Weltgeschichte ein, und ihre zukunftreichsten Lande gehören dem evangelischen Glauben, fern am Stillen Ozean denken in diesen Tagen fromme Herzen des Landes, wo die Wiege Martin Luthers stand; die Buchdruckerkunst bewährt sich jetzt erst als eine völkerverbindende Macht; die Einheit Deutschlands und Italiens steht aufrecht, und nach unseren deutschen Krummstabslanden ist auch der letzte und schlechteste der geistlichen Staaten, der Kirchenstaat des Papstes, ins Grab gesunken; die Freiheit des Denkens und des Glaubens ist allen Völkern der gesitteten Welt gesichert, und in der evangelischen Kirche arbeitet noch immer die ungebrochene Kraft eines starken Lebens. Der Unfriede, der sie erfüllt, beweist doch nur, daß die Religion in unseren Tagen die Herzen wieder tiefer und stärker ergreift, als einst im Zeitalter der Aufklärung. Und mitten im Hader sind ihr doch zwei Taten des Friedens gelungen: sie hat die getrennten Schwesterkirchen des Protestantismus zur evangelischen Union verbunden, und eben jetzt ist sie überall am Werke, den so lange verkümmerten Gedanken der Gemeindekirche in den Formen ihrer Verfassung auszugestalten.