Verlegen standen sie beide da — sahen bald hinaus auf den St. Markusplaz, bald nach den herrlichen Gemälden des herzoglichen Zimmers, bald auf ihre Fingerspizzen.
„Ihr zürnet noch?“ stammelte endlich Flodoard, und dachte an die fatale Gartenscene.
„Ich zürne nicht,“ antwortete Rosamunde, und ein schönes Roth flog über die blassen Wangen.
Flodoard. (mit festerer Stimme) Und ihr habt mir meine Sünde ganz vergeben?
Rosamunde. (vor sich nieder lächelnd) Sünde? — nun ja, ganz vergeben. — Ein Sterbender muß ja gern verzeihn, damit Gott in seinem Gericht auch gern verzeihe. Und ich bin eine Sterbende — ich fühl es.
Rosamunde. Zweifelt nicht. Seit gestern hab ich zwar das Krankenlager verlassen, aber, es ahndet’ mir, ich werd’ es bald wieder aufsuchen, um es nie wieder zu verlassen. Und darum — darum bitt ich auch von euch Verzeihung, wenn ich euch gekränkt haben sollte.
Flodoard. (schweigt)
Rosamunde. Ihr scheinet sehr rachsüchtig, sehr unversöhnlich zu sein.
Flodoard. (lächelt sie wehmüthig an)