Im Herzoglichen Pallaste war alles schon sehr früh erwacht. Der bekümmerte Gritti verlies ungewöhnlich zeitig das Nachtlager, auf welchem er sich dießmal schlaflos und sorgenvoll hin und her gewälzt hatte. Rosamunde hatte vom schönen Flodoard geträumt und wachend sezte sie ihre Träumereien fort. Iduella hatte unruhig geschlafen; sie liebte Rosamunden zu sehr und wußte schon welch ein intressanter Tag für das arme liebende Geschöpf der heutige werden würde. Aber Rosamunde war ungemein heiter; sie scherzte mit Iduellen, sezte sich zu ihrer Harfe und sang sich das Lied ihres Lieblingsdichters:
Liebe, Liebe, Kind des Himmels,
Aller Welten Königin,
Durch die Graun des Weltgetümmels
Warst du meine Führerin.
Früh hat mich dein Arm umschlungen,
Früh dein holder Geist bezwungen,
Früh dein Rosenmund geküßt.
In dem Morgentraum des Lebens
Sog des Lebens erste Lust