„Gott, heilges, gerechtes, allgemeines Wesen, mit welchem Antlizze werd’ ich vor dir erscheinen? Als ein Missethäter sterb’ ich; Menschen können mir nicht verzeihen; — Gnade gieb, o Erbarmer, wenn mir Gnade möglich ist!“
Indem der Graf noch betete, öfnete sich ein Seitenthüre. Die Prinzessin Louise, todtenbleich, in ein Reisegewand verhüllt, trat herein. Duur prallte zurük. Sie sprach kein Wort, sondern umhalste schluchzend den geliebten Verbrecher, küßte ihn unzählige male, und eilte schweigend wieder von ihm.
Kurz darauf vernahm Duur das dumpfe Donnern einer fortrollenden Kutsche — er hörte es, stieß einen tiefen Seufzer aus, Dunkelheit umfloß sein Auge, und ohnmächtig stürzte er — dem Herzog in die Arme.
Inzwischen träumten der alte, brave Onkel und seine, liebenswürdige Nichte nichts weniger, als dieses entsezliche Schiksal ihres Florentins. Holder trat am folgenden Morgen nach seiner Wegführung zu ihnen, und sagte mit erzwungnem Lächeln: „Florentin hat Euch, um Thränen zu ersparen, gestern Abend schon verlassen.“
„Gestern Abend ist er fortgefahren?“ entgegnete erstaunt der Alte: „drum wunderte ich mich noch über das späte Kutschieren. Hm, hm! der Blizjunge, kömmt er mir noch einmal so, so werde ich ihm baß den Text lesen. Warte! warte!“
„Und in der Nacht auch zu reisen!“ sagte Rikchen halb böse.
„Freilich, freilich!“ erwiederte der Onkel: „er wird sich verkälten wollen! — doch las ihn; im Grunde genommen dauert mich der gute Junge, er hats nicht böse gemeint. Na Florentinchen, wir vertragen uns wieder; ich sage Dir gute Nacht, Florentin!“ — — — —
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Und nun, meine Leser und Leserinnen, hab’ ich Ihnen für diesmal genug vorgeplaudert; allein mich plagt doch eine kleine Neugier, zu wissen, wie Ihnen meine Erzählung behagt hat.
„Sonderbar!“