Frl. v. Gülden. Sie geruhen zu scherzen.

Louise. Scherzen? wie so? findest Du ihn nicht schön?

Frl. v. Gülden. Könnten Sie ihn lieben?

Louise. Warum nicht? Können? sonderbar, ich bin ja ein Mädchen, liebe Auguste, wie Du? Dich entzükte Dein vierzehnjähriger Gustaf und mir sollte der Graf nicht gefallen? —

Frl. v. Gülden. Eine Fürstin aus herzoglichem Geblüt und ein Graf! Prinzessin, bedenken Sie wohl! — Lieben können, ja, da hab’ ich unrecht gefragt, aber lieben dürfen — dürfen!

Louise. Ich verstehe Dich; allein Du mußt wissen, daß der Graf nicht mein Gemahl, sondern mein Geliebter werden soll. Da man mein Herz nicht befrägt, wenn meine Hand dem Staatsinteresse aufgeopfert wird; warum sollte mein Herz fragen, wenn es sich zu verschenken Lust fühlt! Und das Herz sieht nicht auf den Rang, sondern mißt seine Hochachtung nach der innern und äußern Schöne den Gegners.

Frl. v. Gülden. Freilich wohl.

Louise. Mein einstiger Gemahl wird nie so blödsinnig sein können Liebe von mir zu verlangen, wenn ich sie nicht geben kann, so wenig als ich sie in gleicher Lage von ihm fodern würde. Wir sind deswegen aber nicht verpflichtet den Freuden der Liebe zu entsagen. — — Nun, Auguste, findest Du den Grafen liebenswürdig?

Frl. v. Gülden. (ernsthaft) O, sehr.

Louise. Und Du wirst mir doch zu einigen Entrevüen tapfer beistehn.