Das Fräulein ging und harrte des Glüklichen an einer abseitsgelegnen Thür. Es verging eine Viertelstunde, ehe er erschien, und tausend schwermüthige Gedanken durchkreuzten indes ihre Seele.

Im Thurm der Schloskirche schlug es endlich ein Uhr, und von fernen her wankte eine Gestalt, immer näher und näher.

„Er ists!“ sagte das unglükliche Mädchen bei sich selber und zitterte. „Er ists! — o daß er nie gekommen wäre! Doch nein, Louise würde unglüklich sein, und ich vielleicht nicht glüklich! — — Mag er doch kommen, ich will leiden und dulden!“

Florentin schlich im Mondschatten, an den Mauern entlang, näherte sich der Pforte, sah die weisse weibliche Gestalt, hielt sie für die Prinzessin selber und flog an ihren Busen.

Beide wagten es nicht zu reden; er bestürmte sie mit Küssen, sie bebte in seinen Armen, wagte kaum den leisen Gegenkus, sondern strebte zurük, und offenbarte ihm die Täuschung.

Er erschrak, bat um Verzeihung; aber sie lächelte unter Thränen, führte ihn, indem sie zitternd seine Hand faßte, durch verschiedne dunkle Gänge und verschiedne Treppen hinauf zum Gemach der Prinzessin.

„Hier,“ sagte sie mit gebrochner Stimme: „treten Sie hinein. —“

Er ging. Sie eilte auf ihr Zimmer, warf sich lautweinend auf das Lager und klagte.

„O Duur!“ — „O Louise!“ riefen sich die Liebenden entgegen und stürzten einander in die Arme.

Nie war Louise schöner gewesen, als in diesem Augenblik; und nie war ein Frauenzimmer reizender zu den Freuden der Liebe geschaffen, als sie. Ihren schlanken Wuchs, ihren schöngeformten Busen wußte sie durch die Magie der geschmakvollsten Bekleidung doppelt schöner zu bilden.