Holder. Oeffne dein leidendes Herz für den Freund. Auf, folge mir nach.

Florentin. (antwortet nicht)

Holder. Vater, Vater, hörst du nicht die Stimme deines Kindes mehr? — Karl ruft! hörst du nicht, Florentin?

Florentin sprang bei diesen Worten auf. Er wandte die Augen gen Himmel und seufzte tief. Holder führte den leidenden Mann heim.

Sechstes Kapitel.
Die Alpen. — Epilog an den Leser.

Vergebens war Holders tröstliches Zureden, vergebens Karlchens kindisches Milleiden — nichts heiterte den Grafen wieder auf; seine Seele war allen frohen Empfindungen verschlossen. — Er hatte zu viel verloren, zu viel Empfindsamkeit für seinen Verlust; er war zu sehr getäuscht in Erwartungen, welche ihn ehemals zu den gefährlichsten Wagstükken Muth und Flügel gaben — kein Wunder, wenn er mit jeder Woche düstrer wurde, da jede Kleinigkeit ihn an den traurigen Verlust erinnerte.

Nur Holder, dieser seltsame, ausserordentliche Mann blieb sich immer gleich; er beschäftigte sich seit des Grafen Ankunft mehr, als sonst, mit gewissen chemischen Operazionen, Briefwechseln, und dergleichen mehr. Florentin achtete nicht darauf. — Holder machte ein Testament in seinen und Florentins Namen, worin er den Herzog Adolf, als Landesherrn zum Erben der Sorbenburg und des ganzen Duurschen Vermögens, einige Legate ausgenommen, einsezte. Duur mußte das Testament eigenhändig unterschreiben, doch keine Frage gieng aus seinem Munde, wegen des sonderbaren Betragens seines Freundes — Holder lies Anstalten zu einer großen Reise machen; Florentin erkundigte sich um diese Zurüstungen nicht.

Eines Tages trat der räthselhafte Mann vor dem Grafen hin; mit vieler Mühe gelang es ihm denselben in ein Gespräch zu verwikkeln.

Holder. Erinnerst du dich noch der Stunde, Bruder, da ich dir jenes Gelübde that; du solltest mich über fünfhundert Jahren wiedersehn in Deutschland?

Florentin. Dunkel.