Eine sonderbare Ahndung überflog ihn. Er glaubte in der Gestalt, in den Bewegungen der Dame im Gitterstuhle auffallende Gleichheiten mit Louisen zu entdekken. Seine Fantasie wurde lebhafter; die Möglichkeit stieg in ihm zur Gewisheit empor.

Plözlich schlug die Unbekannte mit ihrer schönen Hand den Flor vom Gesichte zurük — — o Himmel! und Florentin sah Louisen. Ihm wurd’ es dunkel vor den Augen; eine Ohnmacht schien sein ganzes Wesen aufzulösen — Noch einmahl sah er hin, und — ach! der Gitterstuhl war ledig, Louisens Bild verschwunden.

In einer süssen Betäubung sas er da. „Sie ists! sie ists!“ rief sein Geist in ihm; „dem Unglüklichen wird noch einmal das Glük die Geliebte zu sehn!“ —

Der Prediger prieß die Schönheiten der göttlichen Schöpfung; Duur zergliederte sich Louisens Reizze. — Amen scholl es von der Kanzel, und der Liebetrunkne stürzte zur Kirche hinaus. Er durchreiste das Dörfchen, suchte das verschleierte Gesicht und — fand es nirgends.

Hinter einer dichten Reihe hoher, breitlaubigter, finsterer Kastanienbäume entdekte er am Ende den Dorfes ein im neusten Geschmack errichtetes, zweistokhohes Gebäude, welches das ansehnlichste in Riedelsheim war. Er blieb stehn, und maaß das Haus mit neugierigen Blicken. Gern wär er hineingegangen, um auch da der geliebten Schwester des Herzogs nachzuspüren, wenn es ihm nicht die Etikette verboten hätte.

Was sollt er thun? — umkehren und Riedelsheim verlassen, ohne Sie zu sehn die geliebte Stifterin seines Unglüks? — sie jezt nicht wiedersehn, die er vielleicht dann nie, weder in diesem, oder jenem Leben wieder zu erblikken glüklich genug sein könnte! — Unmöglich, kein Liebender hätte dies an Florentins Stelle gethan, und Florentin thats auch nicht.

Als er noch unentschlossen da stand, mit einem Stökchen im Staube malend, zeigte sich seinen Augen ein junger, wohlgekleideter Mann, dessen Aeusseres viel gutes ahnden lies. Florentin machte sich sogleich an ihn und fragte nach dem Besizzer des weißen Hauses.

„Sie sehen ihn vor sich!“ antwortete jener und Florentinen ward seltsam zu Muthe durch diese Antwort, denn Mann und Stimme desselben waren ihm sehr wohl bekannt. Kurz gesagt, die Gestalt und der Ton gehörten in den Traum von den schwarzen Brüdern hin, und zwar dem Puppenspieler, der im Wirthshause die grausamliche Zerstörung Magdeburgs aufgeführt, und dessen Kasten unser Graf zertrümmert hatte. Daß Florentin durch die frappante Aehnlichkeit zweier so heterogener Personen etwas bestürzt gemacht wurde, läßt sich denken.

„Wen hab’ ich dass Glük zu sprechen?“ fragte er.

„„Ich hin der *** Prinzenerzieher Aellmar, lebe hier durch die Gnade meines Fürsten ein angenehmes Privatleben, und werde mich freuen, wenn Sie in meiner Wohnung mit einer ländlichen Bewirthung vorlieb nehmen wollen. Sie sind — —?““