Der Graf mit seinen beiden Kumpanen trottete langsam zum Dorfe Riedelsheim hinaus, das Thal hindurch, die Hohlwege hinan. Florentin war im Geiste noch immer um Aellmar, hörte ihn noch immer von Holdern, oder der heiligen Bestimmung der schwarzen Brüder plaudern; sah noch immer den verführerischen Gitterstuhl in der Kirche, oder die verschleierte Agathe Leedri, Aellmars Weib, darinnen. So schlenderte sein Gaul ruhig unter ihm den Weg hin, ohne daß es einmal die Spornen seines Ritters in den Seiten fühlte, und Gotthold, nebst dem alten Badner, der, wie ich anzumerken vergas, eben so bald zu seiner, des schwazhaften Gottholds und des Grafen Freude die verlorne Sprache wieder gewann, als er über die herzogliche Landesgränze hinaus war, ich sage Gotthold und Badner trabten, im Mondenscheine vertraulich mit einander plaudernd, bald voran, bald zur Seite, bald hinterher.

„Kopf ab!“ rief Gotthold nach einer halben Stunde dem Grafen zu, der sich rasch niederdukte, um nicht mit den Baumästen über sich in Kollision zu gerathen, und nun erst bemerkte, daß er sich in einem angenehmen Wäldchen befände.

Dies sehn und den Entschluß fassen eine Strekke Weges zu Fuße zu wandern, war eins. Er stieg ab, reichte Gottholden den Zaum seines Rosses und trabte frisch voran.

Die Nacht war angenehm, zum Schwärmen reizend, einladend zum Vollgenus reinerer Empfindungen. Der Graf gieng mit starken Schritten vorwärts, schwärmte, genoß. Er war noch keine Viertelstunde gegangen, als ihn eine weibliche Stimme, welche durch die tiefe Stille der Mitternacht seitwärts ertönte, vom Wege ablokte.

Meine Leser, wenn Sie hier ein gewöhnliches Waldabentheuer erwarten; so täuschen Sie sich. Es geschah etwas sehr natürliches, was nur in Florentins Augen den Anstrich des Wunderbaren trug.

Florentin gehörte eben nicht zu der Gattung neugieriger Lauscher, welche das Sumsen einer Mükke aufmerksam macht. Es hätte vielleicht für ihn in jeder andern Seelenstimmung die Weibesstimme süs oder sauer tönen mögen, sie hätte ihn nicht von seinem Wege abgebannt, — aber jezt. — Doch um die Ursachen recht einzusehn, welche ihn reizten den Fußsteig zu verlassen, müssen wir sein unmittelbar vorhergehendes Gedankenspiel wissen.

Die Nacht, wie man weis, war schön;

Ein wunderbar Gemisch von Licht und Schatten

Verherrlichte den Wald mit unbekannter Pracht.

Auf jedem Zweige sahe man die Nacht