„Und dieser Herr“ fuhr Gobby fort, indem er auf Florentinen zeigte: „trägt denselben Namen. Er heißt Florentin Duur. Vor ohngefähr vier bis fünfhundert Jahren warf sich jener Florentin von Duur in Kanella auf, und bewirkte eine sehr schlau eingefädelte Revolution wider den damaligen Beherrscher Kanella’s. Das Volk nahm eine republikanische Verfassung von seiner Hand an, aber diese Regierungsform war von kurzer Dauer; das Reich ward in sich selbst uneins; ehrsüchtige und gelddürstige Egoisten schwangen sich wechselnd empor, zerrütteten das Land, welches endlich wieder zertheilt unter den Zepter der benachbarten Monarchen kam. Florentin von Duur ward von den Geschichtschreibern in die Gesellschaft der Masaniello’s, Kosciuskos, Fayette’s und Mirabeau’s gesezt.“
„Ich selbst habe neulich noch in einem Traktate seiner gedacht,“ sagte hierauf ein Gelehrter: „worin ich unter andern die Meinungen derjenigen Scribenten mit neuen Gründen unterstüzte, welche sehr wahrscheinlich behaupten, daß er nur den Namen hergeliehen habe zu der Revolution, deren Plan und Vollendung eigentlich dem versteckt gebliebenen, und mit ihm verbundnen Badner angehörte. Der berühmte Ocellius in seiner Dissertation de Badnero vindicato bezieht sich allein auf die Statüe des Badner, und leitet von ihr seine Gründe her.“
Duur spizte die Ohren mächtig; ein Wort von ihm wäre hinreichend gewesen, die gelehrten historischen Hypothesen der äußerst schlauen Geschichtsklitterer dieses Zeitalters zu zerstören[1)], wenn er nur irgend hätte Hoffnung hegen können, mit seinem fünfhundertjährigen Schlummer Glauben zu finden.
„In der Geschichte darf nicht philosophirt, sondern nur Datum an Datum gekettet werden, wenn sie uns mehr als Roman seyn soll;“ sagte er, um den Mann doch einigermaßen zu widerlegen, und sein kleiner Ehrgeiz erwachte unter jener Beleidigung.
„So wird uns die Geschichte nicht mehr, als Zahlen, Namen und dürre Begebenheiten, ohne Zusammenhang, wie Glieder einer zerrissenen Kette, liefern;“ erwiederte der Gelehrte.
„Es ist die Frage: ob die Geschichte mehr zu leisten berechtigt sey?“ antwortete Duur.
Der edle Gobby unterbrach den beginnenden Streit. „Zur Sache. Der Kanellesische Revolutionair hat nicht nur mit unserm Freunde hier gleichen Namen, sondern — sehen Sie her, meine Herrn und Damen! — sondern auch dasselbe Gesicht gemein!“
Ein tiefes Erstaunen ergriff die ganze Versammlung; man gaffte den Kupferstich bald, und bald dessen lebendiges Ebenbild an; das Spiel des Zufalls war hier mehr, als seltsam.
Duur stellte sich nicht weniger betroffen; er konnte ein anhaltendes Erröthen nicht verbergen, und wagte es nicht, das Stillschweigen zuerst zu unterbrechen.
„Das ist wunderbares Zusammentreffen der Umstände!“ rief endlich einer.