„Wollen Sie meinen Sohn sehen?“
Und aus der rechten Rocktasche ein kleines Einsiedeglas mit einem Embryo in Spiritus hervorgezogen hatte.
Kaum schien das Gelächter abgeflaut:
„Wollen Sie meine Tochter sehen?“
Und nun war aus der linken Rocktasche die gleiche reizende Überraschung gekommen. — „Ein emsiges Bürschel.“
Es hatte schwer geschneit — fast grau. Föhn über den Höhen wühlte böse blaue Trichter in einen löwengelben Dunst: danger of avalanches stand auf breiten Tafeln in den Hallen der Hotels.
Genia Waanebeeker hatte die Scheidung ihrer Eltern flotter betrieben, seit Linda Bordone durch Demütigungen aller Art dem Onkel in Bologna doch noch die fehlenden 50000 zur Mitgift zu entwinden vermocht und nun mit Archangelo Cavadini verlobt war. Genia störte das wenig. Er hatte eine verrottete Art, die Hand zu geben, und eine perfide, sie um eine Reitpeitsche zu ballen.
„Ich kaufe den Gauner,“ entschied sie.
Eine böse Wärme war an ihr herabgehaucht aus der Haut dieses der Amerikanerin neuen Typs: südliches Männchen, das auf Weibern lebt. Ihre eminent praktischen Nerven — wiewohl noch unerfahren — rieten zum Geschäft. Und Genia war fünfundzwanzig Jahre alt. — Die up-town und down-town clerks zu Hause: — das wurde automatisch am week-end aus einem city-block: so einem Kubus dummer Kraft, herausgeschossen, selbst ein kleinerer Kubus aus Homespun, endend in Stiefelkuben aus Leder; gab die Pfote kunstlos wie ein Bernhardiner und nahm die Reitpeitsche zum Reiten.
Heiratete man, blieb eigentlich alles gleich: Kleider, Hüte, der jährliche „trip to Paris“, Haufen von Geld. Genia kam sich sehr ins Ideale gehoben vor, daß ihr das nicht genüge. Nein, zum Geldverdienen waren die Eltern da — nicht nur dad, auch mommo hatte noch Verpflichtungen. Da war ein Jugendfreund in Minnesota. Genügend alt jetzt und vermögend ... auch hatte sich der Gynäkologe ihrer Mutter, auf Genias Erkundigung, durchaus beruhigend hinsichtlich etwa drohender Geschwister geäußert. Selbst wenn mommo so perfid hätte sein wollen. Daß dad nicht mehr heiratete, dafür mußte natürlich gesorgt werden; Archangelo aber würde bei der einzigen Erbin zweier Vermögen sich schon vorläufig mit einer Rente begnügen.