Eine unbegreifliche latente Bosheit bildete hier durch alle Schichten hindurch Knoten, um gelegentlich an der Stelle geringsten Widerstandes durchzubrechen: dem Sehen.

Aber warum sahen sie nicht? Warum waren alle am hellsten Sinn verkümmert, aus dem die Liebe erfließt und die Vision? Konnten Hose von Rock nicht unterscheiden, echt von unecht, Kunst von Kitsch, fielen und legten einander rastlos wechselseitig optisch herein.

Gargi, die nie Fragende, hatte einmal schüchtern gemutmaßt.

„Ist es ein Gelübde?“

Meinte den ersten Backenzahn, den die meisten golden trugen, neben vorderen Porzellankronen.

Nein, sie glaubten eben, man sehe das nicht, weil der Zahnarzt, der auch nicht sah, es beteuerte. Ein Blick hätte das Gegenteil erwiesen, aber es war eben kein Blick da. Anfangs konnte er in Paris immer wieder über die schleierlose Roheit erschrecken, mit der Menschen in Sehweite übereinander medisierten, vermeinend, das merke sich nicht, außer Hörweite zu sein genüge. Lang hatte er gebraucht, um an solch optische Verstumpfung faktisch glauben zu können. Alles was die Europäer in ihrer Biologie von den niedren Tieren behaupteten, war wirklich ganz richtig — auf die Behaupter selbst angewendet. Reagierten auch so automatisch mechanistisch, wie sie es den Amöben zuschrieben; auch ihre Fundstelle (das Heim) der einzig völlig reizlose Ort, wo sie ihr Futter fanden.

Hing mit dem flächlichen: oberflächlichen Sehen nicht auch die Überschätzung des „Malerischen“ hier zusammen? Welt der niederen Tiere, die sich in verschieden belichtete Flecke auflöst; noch nicht aufgestiegen in die dritte Dimension. Daher vor allem der Hang ihrer überkleideten konturscheuen Weibchen zur palettenumschweinzten Aura. Dieser ewige Kunstschwatz und in Bilderausstellungen Rennen der Europäerin, was sie gar nichts anging, statt was sie unmittelbar angehen sollte zu beherrschen: die Raumschöpfung des Heims. — Schaukraft fehlte eben: Durchschauung des dreifältig Gefügten: Architektur.

Ja, die Überschätzung des „Malerischen“ lebte von zerronnenen Weibern.

Nur konturreine Maschinen waren hier auch zu würdigen Behausungen gelangt. Er hatte sich die modernsten Architekturwerke kommen lassen, da herrliche Bahnhöfe, Silos, Fabriken, Betriebsstätten gefunden, dabei gedacht:

„Wäre ich eine Turbine, ließe ich mir mein Heim von Behrens einrichten.“ Auch Rösser und Exkremente hatten es gut. Ställe und Kanäle gelangen manchmal wunderbar. Nur Menschenheime im Sinn und Rang des Hauses Elcho fehlten, denn es fehlten die Menschen dazu. Langsam begann er die Leistung seiner Mutter zu begreifen. Diese jahrelange, zähe, unbeirrbare Treue zum Ideal. Das einzig im höchsten Sinne europäische Heim war am Herzen des Dschungls erschaffen worden.