„Bestialisch? Der hält das für Ethik, Reckentum und Idealismus, und sich für ein musterhaftes Familienoberhaupt alten Schlages. Edelpatriarch: vor Weisheit streng, schirmt in verrotteten Zeitläuften Zucht und Sitte. Rauhe Schale, nobler Kern ... eh schon wissen. Jede Schäbigkeit geschieht aus Pflichtgefühl, denn er ist noch eitler als er geizig ist; Bauernklotz mit Schillerphrasen. Immer abwechselnd stolz und neidisch, daß es seine Söhne besser haben sollen als er.“
Dallmeyer leerte noch einen Likör und steckte eine frische Importe an. Horus staunte über solch ungewohnten Geist. Was Dallmeyer sprach, war immer teils klug, teils albern: klug was er über andre, albern was er selber meinte.
Man verabschiedete sich vom Herrn des Hauses. Dallmeyer wieder ganz Biederkeit, hielt eine lockichte Rede, schloß mit der Hoffnung, man werde sich in diesen gastlichen Räumen noch zum seltenen Fest der diamantenen Hochzeit treffen.
Der Greis aus Stein und Wasser schüttelte stiller Genugtuung voll das Haupt, dann mit erledigender Geste hinüber zu der Greisin zwischen Gichtknoten:
„Oh sie ist schon kalt bis zu den Knien.“
Oben troff wieder ein wenig Feuchtigkeit aus dem Auge über, sickerte die fahlen Wangenfalten hinab.
Es war das Letzte, was Horus Elcho von ihm sah. Eine Woche später schoß Oskar Samossy eines Abends aus der Telephonzelle des Cafés. Schrie auf nach einem Auto, er, der fanatische Renner.
Wie damals auf der Straße frug Krause:
„Wie geht es Ihrem Vater?“
„Mein Vater stirbt.“ Dann schlotternd: „Er darf nicht sterben, sonst bin ich verloren.“