„Du bist übertrieben,“ hieß es.
War etwas halbwegs wie es sein sollte, nannten sie es immer übertrieben.
„Du bist eine eitle Egoistin“ und Olga, die trotz finniger Haut vom Fettkäse nicht lassen mochte, blähte sich: „Man muß für andre leben. Ich werde für die Idee der Menschheit auf den Barrikaden kämpfen.“
Sie probierte vor dem Spiegel eine Jakobinermütze aus rotem Seidenpapier ...
„Und überhaupt kommt es auf die Seele an.“
Sibyl, die Jüngste, zog sich scheu und völlig unüberzeugt in sich selbst zurück. Fühlte tastend: weil Olga zu schwach und faul ist, vom Käs zu lassen, drückt sie sich an sich selber vorbei ins Gemeinwohl. Weil sie nicht die Kraft hat, die Menschheit zuerst einmal am eignen Leib zu vervollkommnen. Eine Watschelgans bleiben und darauflos beglücken, wie billig; Seele? Eine saubre Seele, die noch nicht einmal imstande ist, sich eine reine Haut, edle Glieder zu machen.
„Ich glaube auch gar nicht, daß es den Männern gefällt,“ sagte die gedunsene Valerie.
Wollte sie denn damit gefallen? Nein, in Ordnung sein, ganz einfach: wie geputzte Zähne, polierte Nägel haben. Wozu deshalb Aufsehen und Getue? Merkte eigentlich immer erst an dem dumpf rindhaften Glotzen ringsum ganz jäh, wie wenig man dem nachfrage, was ihr wie Lebensluft: leicht und unentbehrlich.
Und verstummte dann meist; aus einem großen jungen Nebel von Scheu heraus, beinahe Scham. Mußte denn wirklich jede Wahrheit, die einem durch und durch ging, immer erst noch oben in diesem negligablen Schälchen Großhirn zu Argumenten gerinnen, damit sie gelte?
Waren Diskussionen nicht entweder vergeblich oder überflüssig? Spürte irgendwie beweislos, gleich einem Axiom: „so lang in meinen eignen Weichen noch ein Gran Fett, also: Träges und Gemeines sitzt, ist es einfach eine Frechheit, die Bürde der Selbstvollendung in Form von Gemeinwohl von sich abtun zu wollen.“