Es war zwei Uhr nachts, unter einsamen Sternen. Und sie hatten sich noch nicht ein einziges Mal geküßt.
Das war also der „berüchtigte Wüstling“ und „Materialist“, ihm hatte sie so lang mißtraut — seiner Rasse wegen.
Scham tropfte aus den jubelnden Sternsaphiren.
Noch ein böser Vorhalt kam: ihr schien in den nächsten Tagen, als miede er geflissentlich ihre Lippen — gewisse Berührungen. An ihrem Staunen zuckte er dann jedesmal hämisch und häßlich vorbei. Einmal, Gesicht an Gesicht, nahm er ihre Arme sich vom Hals, dann brutal:
„Kann ich dich denn so küssen, wie ich möchte? Was sich mir in solcher Weise bietet, muß ich dagegen nicht das größte Mißtrauen haben?“
Es war nur wie Auf- und Abtauchen im Strom endloser Anbetung gewesen. Sie wußte kaum, was sie gehört. Begriff es erst allein in ihrem Zimmer ganz.
Ihr — das. Er konnte glauben, daß sie — nicht nur widerlich verseucht, auch noch hierher gekommen, um ... ihn ...
Das kam davon: sie kannte doch seine offene Geringschätzung der Frau. „Ich, als Orientale,“ pflegte er zu sagen, und erhob damit jede Privatroheit zur „Weisheit des Ostens“. Der Kult ihrer Persönlichkeit: eine dünne Schicht Laune nur, die sie von der großen Weiberverachtung — so lang’s ihm paßte, notdürftig schied.
„Und wie war das gewesen, das andere? Was sich mir solcherweise bietet: anbietet.“
„Mein Gott, in welchen Schmutz bin ich geraten!“