Generationenlang nie einer Trägheit nachgegeben haben und nie einer Gier. Um der Anmut willen viel getan haben an zarter Mühsal. Viel gelassen, um des Geschmackes willen.
Vom fünfzehnten Lebensjahre bis zum Tod nie zu-, nie abnehmen im Dienst geschmeidiger Glätte und nie eine derbe Speise berühren im Dienst des Duftes.
Mit einem durch Jahrhunderte geklärten und durchglühten Blut die Sehergabe des Schoßes erwerben. Als Hüterin des köstlichen Potentials zu entgleiten verstehen ohne Entfremdung, auf daß die süßen Wasser der Sehnsucht sich wieder sammeln.
Wissen, wie jener unentrinnbare Haß der Übernähe zu lösen, damit auch die Qual noch ihre Stelle unter den Seligkeiten finde. Die Abstürze kennen, zwischen: Liebe — Erotik — Orgiasmus — Ehe. Über sie alle hin mit fragilem Arm die kühne, junge Brücke schlagen, an deren Ende schon die Hand den Gefährten mit warmem Druck erwartet, und auf dem Frühlingszweig des Armes jubelt noch sein Kuß.
In den seltenen, vielgliedrigen Festen des Blutes nach Ergänzungen suchen, die sie selbst nicht bieten kann. Mit und an ihnen sich abschatten oder entflammen. Die Liebe über den Geliebten stellen, damit das Weltenkunstwerk des Entzückens sich vollende. Und erkannt haben, daß ein Eros, der dieses Namens wert, auf jedem Instrumente anders spielt, und daß die Flöte nichts der Geige raubt.
Ein rein weibliches Dasein: an der Feinheit der Polygamie frei — großartig — taktvoll — und weise geworden.
Im zweiten Jahr nach dem Frühlingslauf zur „Höhle der weißen Träume“ sah Horus nur einmal seine Frau bei Tag. Es kam so:
Diana Elcho lag flach auf dem Bauch in der Halle und spielte mit dem Spektrum.
Pendelte den Wasserspiegel im halbgefüllten Kelchglas linde vor sich auf und ab. In ätherischen Kanten schlug die Sonnenpyramide hindurch, schlug ihre winzige Farbengarbe auf die Hand der Frau. Ein Cabochon am kleinen Finger daneben verschleimte — ward unmöglich. Nur ein Edelstein: Licht, schon verunreinigt durch Erden. Sie streifte ihn ab. Auch die Hand nicht hell genug. Sie suchte nach anderer Foliierung. Wollte den Sonnenbruch ins schmerzhaft Herrliche heben. Papier — Seide — Porzellan? Suchte passives Weiß, nicht spiegelnd, nicht körnig, nur gleich und rein. Über Alabaster endlich wuchs — wie von flüssigen Brillanten getragen — das winzige Band zu solcher Intensität in einen Paroxysmus des Glanzes hinein, der betäubte. Sie spürte ihr Herz.
Die anderen kamen, kauerten herum, spielten schauend mit. Ein kleines Insekt aus der Luft knallte seine Chitindeckel zu, schlenderte zu Fuß verblüfft durch die flimmernde Wandelbahn von Purpur nach Violett; an der unstofflichen Wonne des Gelb lutschte es ein wenig. Sie nickte ihm zu, sah auf: